Österreich hinkt bei Digitalisierung global hinterher

Wien (APA) - Österreich hinkt im weltweiten Standort-Ranking des World Economic Forums (WEF) bei der Digitalisierung hinterher. Gute Werte erzielt das Land jedoch bei der makroökonomischen Stabilität sowie bei der traditionellen Infrastruktur, erklärt das Österreichische Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) die Ergebnisse des Global Competitiveness Report 2018 am Mittwoch.

Österreich nimmt beim Indikator der Digitalisierung nur Rang 46 von 140 Ländern ein. Das Wifo begründet dies vor allem mit der "unterdurchschnittlichen Nutzung von leistungsfähigen Netzen der Breitbandkommunikation". "Die Nutzung ist in diesem Bereich noch schlechter als die Infrastruktur, wobei auch diese nicht übermäßig ausgebaut ist", führt Wifo-Volkswirt Michael Peneder auf APA-Anfrage aus. Daraus ergebe sich vor allem ein Nachfrageproblem, aufgrund dessen die wirtschaftspolitischen Anreize zum weiteren Ausbau der Infrastruktur fehlen würden. Andererseits könnte eine bessere Infrastruktur auch eine bessere Nachfrage hervorrufen, so Peneder.

Hier spielt der geplante Ausbau auf den neuen Mobilfunkstandard 5G eine Rolle. Peneder sieht Österreich in diesem Punkt im internationalen Vergleich gut unterwegs. Im vergangenen September hatte die heimische Telekombehörde RTR angekündigt, dass die Auktion von 5G-Frequenzen nicht vor Februar 2019 statt finden wird. Ursprünglich war die Auktion für den Herbst 2018 geplant gewesen.

Der österreichische Handelsverband ortet indessen Aufholbedarf bei der Digitalisierung. "Die flächendeckende Versorgung aller Regionen mit Breitband ist für uns ebenso wünschenswert wie ein Ausbau Österreichs zu einem 5G-Pilotland", sagte Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will laut einer Aussendung.

Neben der Digitalisierung fallen im Ranking des WEF auch einige Indikatoren im Bereich des Finanzsystems in Österreich unterdurchschnittlich aus. Negativ schlagen sich vor allem die Bewertung der Börsenkapitalisierung, der Verfügbarkeit von Risikokapital, der Dauer einer Neugründung sowie der Bereitschaft zu unternehmerischem Risiko nieder, heißt es beim Wifo.

Starke Ergebnisse erzielt Österreich dagegen bei der makroökonomischen Stabilität. Österreich belegt in dieser Kategorie zwar Rang eins, teilt sich den Spitzenplatz jedoch mit 30 anderen Unternehmen. Auch bei der traditionellen Infrastruktur wie Straßen- und Eisenbahnverbindungen oder Wasser- und Stromversorgung ist Österreich mit Rang 12 gut bewertet, geht aus der Studie des Weltwirtschaftsforums hervor.

Am Arbeitsmarkt liegt Österreich an 26. Stelle. Bestwerte erzielt das Land zwar bei den Arbeitnehmerrechten sowie der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Dagegen schneidet Österreich bei den lohnabhängigen Steuern und Abgaben, der Arbeitskräftemobilität sowie bei der Flexibilität der Lohnfindung schlechter ab und belastet damit die Gesamtwertung in dieser Säule. Im Bildungsbereich (Rang 17) sticht vor allem die Bewertung des Lehrlingswesens positiv hervor, während digitale Fertigkeiten und die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte die Platzierung belasten.

Das WEF zwölf Säulen der Wettbewerbsfähigkeit zur Bewertung von 140 Ländern herangezogen, etwa Innovationsfähigkeit, Finanzsystem, Infrastruktur, Bildung und Gesundheitsweisen. Insgesamt rangiert Österreich auf Platz 22.

Österreich soll fit gemacht werden

Die Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort Margarete Schramböck (ÖVP) will Österreich für die Digitalisierung fit machen. "Wir müssen sowohl die Unternehmen als auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die ganze Gesellschaft für den digitalen Wandel wappnen", sagte Schramböck in Reaktion auf das WEF-Standort-Ranking.

In dem globalen Vergleich für die Wettbewerbsfähigkeit liegt Österreich auf dem 22. Platz von 140 Ländern. Schwerpunkt des Ministeriums im Bereich Digitalisierung ist die Initiative "fit4internet". In einem ersten Schritt soll dabei ein Format für die Generation 60+ bereitgestellt werden, das "Kaffee Digital". Dieses soll Senioren erste Schritte in Richtung Online-Welt ermöglichen.

Daneben steht der Abschluss von Wirtschaftspartnerschaften im Fokus "um Exporte und Arbeitsplätze und damit Wohlstand in Österreich zu sichern", heißt es in der Aussendung. In diesem Sinne wurde heute zum Anlass des Staatsbesuchs des Premierminister Singapurs, Lee Hsien Loong, in Wien ein "Memorandum of Understanding" für einen leichteren Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen den beiden Staaten unterzeichnet. Dabei will Österreich vor allem im Bereich Digitalisierung von Singapur lernen.

Der Handelsverband sieht dagegen einen "dringenden Aufholbedarf bei der Digitalisierung" und sieht vor allem im flächendeckenden Ausbau des Mobilfunkstandards 5G einen entscheidenden Faktor. "Aufgrund der heimischen Topographie ist dies zwar kostenintensiv, aber notwendig. Nur so können auch ländliche Regionen zukunftsfit gemacht werden, damit sie von den digitalen Möglichkeiten profitieren und die Landflucht gestoppt wird", sagte Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will laut einer Aussendung.

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