EY ortet Mängel bei digitaler Infrastruktur in Österreich

Wien (APA) - Österreich gehört zu dem fünf besten Standorten in Europa, sollte aber bis 2025 knapp 84 Mrd. Euro investieren, um die Investitionsflaute nach der Finanzkrise von 2008 aufzuholen, schreibt das Beratungsunternehmen EY in ihrem Bericht "Investing in Europe's Future".

Österreich gehöre zwar zu den Top-5 in den Kategorien Basis-Infrastruktur, Forschung und Innovation, Bildung sowie Gesundheit. Aber bei der digitalen Infrastruktur schaut mit Rang 13 nur ein Platz im Mittelfeld heraus. "Österreich muss stark in Vernetzung investieren", meint EY. "Das gute Ergebnis darf kein Ruhekissen sein - um Wohlstand und wirtschaftlichen Erfolg in Zukunft zu sichern, müssen wir uns an den besten Standorten orientieren", mahnt Gunther Reimoser, Country Managing Partner von EY Österreich.

In Österreich seien vor allem ländliche Gegenden von schnellem Internetzugang abgeschnitten, so Reimoser. Das könne für Hidden Champions mit Zentrale im ländlichen Raum zum Problem werden, wenn mit Industrie 4.0 Maschinen vernetzt werden müssen.

Bisher werde in Österreich zwar viel investiert, aber mit falschen Schwerpunkten. Geld fließe hauptsächlich in traditionelle Sektoren wie die Verkehrsinfrastruktur. "Zu wenig investiert wird hingegen in den Bereichen Vernetzung bzw. Aus- und Weiterbildung, wodurch künftiges Wachstum in Gefahr ist", so EY.

Um alte Lücken zu schließen, wären bis 2025 knapp 84 Milliarden Euro an Investitionen nötig. Der jährliche Betrag würde steigen und 2025 17 Mrd. Euro oder etwa 3,5 Prozent des österreichischen Bruttoinlandsproduktes entsprechen. Wolle man lediglich auf den Maximalwert von vor der Finanzkrise zurückkehren, wären knapp 50 Mrd. Euro fällig.

Schweiz weit vorne

In dieser Studie, für die 28 EU-Staaten und die Schweiz bewertet wurden, schneidet die Schweiz besonders gut ab: Sie belegt in allen Kategorien den ersten Platz außer bei der Digitalisierung, für die es keine Bewertung gab. Dahinter liegen Schweden, Niederlande und Dänemark sowie Finnland ex-aequo mit Österreich.

Auffällig sei, dass die größten Volkswirtschaften Europas bei der Digitalisierung vergleichsweise schwach abschneiden: Deutschland liegt auf Platz elf, Frankreich auf 17 und Italien auf 25. Das aus der EU austretende Großbritannien kommt auf Platz 6.

"Europas wirtschaftliche Zugpferde müssen aufpassen, dass sie sich nicht zu sehr auf ihrer Vergangenheit ausruhen", warnt Reimoser. Für künftiges Wachstum seien die digitale und nicht-digitale Infrastruktur sowie die Qualität der Forschung, Bildung und Gesundheit entscheidend. Hier gebe es aber teilweise erhebliche Defizite.

Für ganz Europa hat EY einen Investitionsbedarf von knapp 6.500 Mrd. Euro errechnet. Am schlechtesten schneiden die osteuropäischen Staaten Polen, Rumänien, Bulgarien, Kroatien sowie Griechenland ab.

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