Informationsbranche sieht keine Datenschutz-Verwässerung

Wien (APA) - Auch mit der jüngsten Novelle wurde der Datenschutz nicht verwässert, versichert Robert Bodenstein, Obmann der Bundessparte Information und Consulting in der WKÖ. Die wichtigste Neuerung sei, dass die Datenschutzbehörde beraten darf, bevor sie Strafen verhängt. Viele Details müssten erst in der Praxis "gelebt" und interpretiert werden, dafür sei die Beratung bei ersten kleineren Vergehen wichtig.

So könne ein Tischler wohl argumentieren, dass er projektbezogene Kundendaten - etwa die Beschaffenheit von gelieferten Küchenmöbeln - 20 Jahre aufbewahrt, um langfristige Kundennachfragen beantworten zu können. Das Geburtsdatum der Ehefrau müsse aber nicht im Akt sein. Ein Hotel habe hingegen wohl wenig Anlass, Kundendaten so lange zu bewahren.

Auch Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl geht davon aus, dass die jüngste Novelle zur EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) lediglich österreichische Sonderwege ("Golden Plating") eliminiert habe. "Wenn das der Fall ist, dann bekenne ich mich dazu", so Leitl am Donnerstag vor Journalisten. Die von der EU beschlossene Substanz könne ohnehin nicht verwässert werden.

Neben dem Prinzip "erst beraten, dann strafen" sieht Bodenstein durch die Novelle eine Angleichung an EU-Recht bei den Klagsrechten für Nichtregierungsorganisationen: Sie dürften sehr wohl bei Datenschutzverletzungen klagen, aber nicht aus eigenem Antrieb, sondern sie brauchen zumindest eine betroffene Person, die sich geschädigt fühlt. Und die dritte Veränderung durch die Novelle helfe Journalisten: Klargestellt wurde, dass Journalisten Daten über Personen speichern dürfen, über die sie gerade recherchieren.

Unternehmen haben auf die gesetzlichen Änderungen schon reagiert und ihr Verhalten grundsätzlich angepasst, sagt Bodenstein. Galt vor fünf Jahren noch, man könne nie genug Daten sammeln, so überlege man heute schon sehr gezielt, welche Daten man überhaupt brauche. Auch die IT-Systeme werden nun so programmiert, dass das Löschen von Daten möglich wird. Das war früher überhaupt kein Thema.

Die Branche ist zwar durch die nötigen Umstellungen betroffen und wird mit Kosten belastet sein, auch wenn es zu deren Höhe keine Schätzungen gibt. Zugleich könne man aber auch mit Mehrumsätzen in den Bereichen IT und Unternehmensberatung rechnen, sagt Bodenstein. Die gesamte Sparte Information/Consulting erwartet heuer um 7,8 Prozent mehr Umsatz als 2017. Immobilientreuhänder und Finanzdienstleister dürften zweistellig wachsen, am unteren Ende der Bandbreite wird für die Drucker nur ein mageres Plus von 0,3 Prozent vorhergesagt. Walter Bornett, Direktor der KMU-Forschung, geht für 2018 von einem deutlichen Beschäftigungsplus und einem Beschäftigungsrekord aus. Bodenstein bremst die Erwartungen ein wenig, vor allem der Facharbeitermangel könnte diesen Rekord noch verhindern, meint er.

Dabei war 2017 schon ein sehr gutes Jahr für den Fachverband. Die 125.000 Mitgliedsunternehmen in 10 Sparten haben im Schnitt 6,6 Prozent nominelles Umsatzwachstum verbucht und damit mehr als die Gesamtwirtschaft (4,5 Prozent). Allerdings gab es da eine Bandbreite, von rund 1,5 Prozent bei Entsorgungsmanagement und Druck bis zu 13 Prozent bei Unternehmensberatern. Auch die Werbebranche legte um 7,8 Prozent und damit überdurchschnittlich zu. Ein kleiner Wermutstropfen: Die Preise stiegen um nur 1 Prozent bei einer doppelt so hohen Inflationsrate, es sei daher zu befürchten, dass Kostensteigerungen nicht zur Gänze an Kunden weiterverrechnet werden konnten. Das gehe auf Dauer zulasten der Ertragskraft und des Eigenkapitals, sagte Bornett.

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