LG übernimmt österreichischen Autozulieferer ZKW

Wieselburg/Seoul (APA/dpa) - Der koreanische Elektronikriese LG kauft um 1,1 Mrd. Euro die niederösterreichische ZKW-Gruppe, Spezialistin für Fahrzeugbeleuchtung. Beide Unternehmen erhoffen sich dadurch Synergieeffekte. Für die 3.500 ZKW-Mitarbeiter in Österreich, an den Standorten Wieselburg und Wiener Neustadt, gibt es für fünf Jahre eine Jobgarantie. Diese gilt auch für das aktuelle Management. Die Marke ZKW bleibt.

Der bisherige ZKW-Eigentümer Ulrich Mommert sei inzwischen 77 Jahre alt und habe schon länger nach einer langfristigen Absicherung des Unternehmens mit den Standorten in Österreich gesucht, sagte ZKW-Vizepräsident für Strategie, Roland Wöss, zur Verkaufsmotivation. Interesse an der Übernahme habe es von vielen Seiten gegeben, Verhandlungen gebe es schon lange. LG-Electronics Vizepräsident Jin-Yong Kim verwies heute in Wien im Gespräch mit Journalisten darauf, dass Mommert das Verständnis für die österreichischen Standorte besonders wichtig gewesen sei. Deshalb habe es auch diese ungewöhnlich lange Standortgarantie gegeben. Kim dazu: LG stehe für Harmonie, Tradition und örtliche Gemeinschaft, "so, don't worry". Sympathie für Österreich gebe es immer, schon der erste Präsident des Landes sei ja mit einer Österreicherin verheiratet gewesen, lächelt Kim. An den Standorten in Niederösterreich habe es von den Mitarbeitern Applaus gegeben, als das Ergebnis heute unmittelbar nach dem Abschluss der Verhandlungen verkündet wurde, sagte Wöss.

ZKW-Chef Oliver Schubert sagte, es entstehe ein Unternehmensverbund "mit nahezu unbegrenzten Möglichkeiten". Ziel sei es, bis 2025 einer der Top-Zulieferer im Autobereich zu werden. Besondere Hoffnung setzt man darauf, die Beleuchtungssysteme von ZKW mit Sensoren zu ergänzen. ZKW ist bei Scheinwerfern und der Beleuchtung vorne sehr stark, LG hat vor allem hintere Beleuchtung, auch wenn dieses Geschäftsfeld noch kleiner ist. Für autonomes Fahren wird eine rundum intelligente Beleuchtung nötig sein, die allenfalls auch Signale nach außen abgeben kann. Dafür könne das Know-how der beiden Unternehmen zusammengeführt werden.

LG ist auch auf Infotainment und Sicherheitslösungen im Auto spezialisiert. Sowohl bei den hergestellten Produkten als auch regional - LG ist bei den koreanischen und japanischen Autherstellern stark, ZKW eher bei den europäischen - erhofft sich ZKW große Synergien durch den neuen Eigentümer. Alleine beim Einkauf elektronischer Komponenten werde der Zusammenschluss mit LG zu großen Kosteneinsparungen führen. Außerdem werde ZKW mit den Kunden international mitgehen müssen, also in der Nähe von deren Fabriken produzieren. Auch da helfe die Zusammenarbeit mit LG. Details, etwa ob in Niederösterreich ein gemeinsames Forschungszentrum entstehen wird, müssten erst in den nächsten Wochen besprochen werden, sagte Schubert.

Die Einigung sei heute in der Früh getroffen worden. ZKW wird zur Gänze von LG übernommen - zu 70 Prozent von LG Electronics und zu 30 Prozent von der Muttergesellschaft LG Corp.

Die ZKW Unternehmensgruppe mit Hauptsitz im niederösterreichischen Wieselburg (Bezirk Scheibbs) hat 2017 ein Rekordjahr hinter sich gebracht. Der konsolidierte Konzernumsatz kletterte im Jahresvergleich um knapp 30 Prozent auf mehr als 1,2 Mrd. Euro. Der Personalstand stieg von rund 7.500 auf fast 9.000 Mitarbeiter weltweit Ende 2017, davon 3.500 in Österreich.

ZKW hat weltweit acht Standorte - zwei in Österreich (Wieselburg und Wiener Neustadt) und je einen in der Slowakei, in Tschechien, China, Indien, Mexiko und den USA. Produziert werden Haupt- und Nebelscheinwerfer, Blinkleuchten, Innen- und Kennzeichenleuchten sowie Elektronikmodule. Das Unternehmen beliefert Automobilhersteller wie Audi, BMW, Daimler, Geely, MAN, Opel, Porsche, Scania Truck, Skoda, Volvo und VW.

ZKW wurde 1938 von Karl Zizala in Wien gegründet - aus den Initialen seines Namens und dem "W" für die Bundeshauptstadt leitet sich der Firmenname ab. 1954 wurde der Betrieb um das Werk in Wieselburg erweitert. 1982 übernahm die Familie Mommert das Unternehmen. Von der Metallkomponenten-Produktion für Motorrad- und Lkw-Hersteller entwickelte sich die Spezialisierung auf innovative Premium-Lichtsysteme und Elektronik. 1989 wurde der erste Pkw-Scheinwerfer serienmäßig produziert.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | APA/dpa