Deutsche Netzagentur stoppt Abzocke mit Handy-Rückrufen

Bonn (APA/dpa/ag.) - Die Bundesnetzagentur stoppt eine Abzocke-Masche mit teuren Rückrufen über das Handy. Bis spätestens zum 15. Jänner 2018 müsse bei solchen sogenannten Ping-Anrufen für bestimmte internationale Vorwahlen eine kostenlose Preisansage geschaltet werden, kündigte der Präsident der Bundesnetzagentur Jochen Homann am Montag in Bonn an.

"Damit machen wir das rechtswidrige Geschäftsmodell wirtschaftlich unattraktiv." Verbraucher könnten nach der Warnung vor hohen Kosten für den Rückruf noch auflegen, ohne dass Kosten anfielen.

Die Masche beruht darauf, dass internationale Vorwahlen aus weit entfernten Ländern leicht mit deutschen Vorwahlen verwechselt werden können. So ähnelt die Vorwahl von Madagaskar 00261 der Koblenzer Vorwahl 0261 und die Vorwahl Liberias 00231 der Vorwahl Dortmunds 0231. Bei den Ping-Calls werde aus dem Ausland kurz angerufen, um einen Rückruf zu provozieren. Ruft der Verbraucher zurück, wird er absichtlich mit schwer verständlichen Bandansagen in der Leitung gehalten - die Anrufe kosten häufig mehrere Euro pro Minute.

Die Bundesnetzagentur drängt weiters Ausbau des schnellen Internets und will im kommenden Jahr die dafür notwendige Infrastruktur bereitstellen. "Damit die nächste Mobilfunkgeneration 5G möglichst schnell ankommt bei den Menschen, streben wir für 2018 die Bereitstellung der erforderlichen Frequenzen an", sagte Homann. Vor allem die Versorgung in den ländlichen Regionen sei noch unzureichend. So hätten nur 36 Prozent der Haushalte Zugang zu Übertragungsgeschwindigkeiten von 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). In Städten könnten bereits 90 Prozent der Haushalte darauf zurückgreifen. "Wir dürfen weitere Investitionen nicht in die ferne Zukunft verschieben und so die Chancen der Digitalisierung verstreichen lassen", betonte Homann. Verbraucher fragten zudem immer häufiger nach Anschlüssen mit einer Geschwindigkeit von mindestens 100 Mbit/s.

Union und SPD hatten sich in der vergangenen Wahlperiode zum Ziel gesetzt, ab 2018 überall in Deutschland Breitbandanschlüsse mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 50 Mbit/s zur Verfügung zu stellen. Bisher sind damit laut Homann insgesamt nur rund 77 Prozent der Haushalte versorgt. Kritiker monieren, Deutschland hinke beim Digitalausbau heillos hinterher und rangiere hinter wesentlich ärmeren Staaten wie Litauen und der Slowakei.

Einer der Gründe ist, dass die Deutsche Telekom, Marktführer bei Internet-Anschlüssen, ihr altes Kupfer-Telefonnetz so lange wie möglich weiternutzen will. Dieses ist jedoch nicht in der Lage, die mittlerweile anfallenden gigantischen Datenmengen zu transportieren. Auf den Hauptstrecken in Deutschland setzt die Telekom auf Glasfaser, problematisch ist allerdings das letzte Stück direkt bis in die gut 40 Millionen Haushalte. Dieser ist wegen der vor Jahrzehnten einfach verbauten Telefonleitungen ein Flaschenhals, auf dem sich entscheidet, welche Datenraten bei Kunden ankommen. Die Bonner setzten daher dort das sogenannte Vectoring ein, mit dem Störsignale zwischen den Kupferdrähten unterdrückt werden sollen. Konkurrenten wie Vodafone und United Internet laufen dagegen Sturm. Ein Sprecher der Telekom betonte, der Konzern forciere den Ausbau von Glasfaser und verlege etwa in Neubaugebieten in der Regel ausschließlich solche Anschlüsse.

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