IT-Firmen machen gute Erfahrungen mit Autisten

Wien (APA) - IT-Firmen suchen händeringend Spezialisten. Konzerne berichten von guten Erfahrungen, wenn sie Mitarbeiter mit Asperger-Syndrom, einer leichten Form von Autismus, beschäftigen. Gerade die Digitalisierung braucht spezielle Qualifikation und Perfektionisten. Menschen mit Asperger-Syndrom, die analytisch, genau und hochkonzentriert arbeiten, brächten begehrte Talente mit, wurde am Donnerstag deutlich.

T-Mobile Austria und die Initiative Specialisterne haben am Donnerstag über die besonderen Fähigkeiten von Menschen mit der Diagnose Asperger diskutiert, und darüber, wie diese Talente bei fortschreitender Digitalisierung am Arbeitsmarkt genutzt werden können. Specialisterne ist eine dänische Initiative mit dem Ziel, Autisten ins Arbeitsleben zu bringen - indem Betroffene und Firmen gezielt zusammengebracht werden.

"Wir bekommen sehr viele Anfragen von Unternehmen, die verzweifelt Programmierer, Software-Tester oder Datenbank-Analysten suchen", erläuterte die Specialisterne-Managerin Elisabeth Krön in einer Aussendung. Allen Vorurteilen zum Trotz könnten sehr viele Menschen mit Autismus auch sehr gut in Teams zusammenarbeiten. Die Fluktuationsrate sei gleich Null. Das könnten auch in Österreich Firmen wie Shire, Paysafecard, Anecon, IBM, T-Mobile Austria, Suxxesso oder AIT Austrian Institute of Technology bestätigen.

IBM Austria beschäftigt Mitarbeiter mit Asperger-Syndrom in der Softwareentwicklung und bei Softwaretests. "Aus meiner Erfahrung sind die Stärken dieser Mitarbeiter ihre hohe Konzentrationsfähigkeit und ihr unbedingter Wille eine Lösung für ein Problem zu finden. Sie geben nicht auf bis die Lösung da ist", sagte der IBM-HR-Manager Gerhard Zakrajsek. Auch beim Softwareentwickler Anecon und bei Suxxesso arbeiten Mitarbeiter mit Autismus in der Testautomatisierung. In Österreich finden sich rund 80.000 Menschen mit Autismus, davon hat rund jeder Dritte das Asperger Syndrom.

Dr. Johannes Klietmann, Innovationsberater, der selber das Asperger-Syndrom hat, hält Manager-Workshops über die Gruppe Denkquer. "Menschen mit Autismus sehen die Welt anders - detailgenau und eher auf Tatsachen als auf Beziehungen konzentriert. Gerade bei der Digitalisierung kann diese Denkweise sehr nützlich sein, da sie den Umgang mit Computern erleichtern kann. Andererseits bringt sie auch Bedürfnisse für betroffene Menschen mit sich, etwa klare Strukturen und Kommunikation sowie ein stabiles Arbeitsumfeld." Specialisterne gab heute zu bedenken, dass sich viele Bewerber durch logisch-analytisches Denken, hohe Präzision oder Spezialinteressen in Mathematik, IT, Naturwissenschaften und Technik auszeichneten, übliche Bewerbungsprozesse allerdings oft zu unüberwindlichen Hürden würden. Damit schieden tendenziell introvertierte und faktenorientierte Menschen, die Eigenwerbung und Selbstdarstellung und Small-Talk eher vermeiden wollten, oft schon in den ersten Bewerberrunden aus. Das Netzwerk hat vor das zu ändern.

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