280 Mio. Euro für Mikroelektronik-Zentrum "Silicon Austria"

Wien (APA) - In Österreich entsteht in den kommenden Jahren unter dem Namen "Silicon Austria" ein neues Mikroelektronik-Forschungszentrum. Die Labors werden ab Herbst in Graz, Villach und Linz eingerichtet. In den kommenden fünf Jahren wollen Bund, Länder und Unternehmen 280 Mio. Euro in die neuen Strukturen stecken, wie es am Montag bei der Präsentation in Wien hieß.

Vom Bund und den drei beteiligten Ländern zusammen kommen jeweils 70 Mio. Euro, also in Summe 140 Mio. Euro. Der Fachverband der Elektro- und Mikroelektronikindustrie (FEEI) wird in diesem Zeitraum ebenfalls 140 Mio. beisteuern. Bei der ab Oktober dieses Jahres anstehenden Umsetzung der im Vorjahr in Alpbach von Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ) angekündigten Initiative handle es sich um eine "bewusste politische Weichenstellung" in diesen zukunftsträchtigen Forschungs- und Industriebereich, sagte Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ).

Da Mikroelektronik mittlerweile zur "absolut wesentlichen Ressource" für fast alle Technologien - vom Smartphone bis zum selbstfahrenden Auto - geworden ist, gelte es hier auch die reichlich vorhandene, "fragmentierte Forschungslandschaft zu bündeln". Österreich sei in vielen Forschungsbereichen bereits international sehr sichtbar, in den kommenden 15 Jahren gilt es laut Kern auch in weiteren Teilbereichen in der Welt der Schaltkreise und der Datenübertragung an die Weltspitze zu kommen.

In den ersten fünf Jahren erwarte man sich an den drei nunmehrigen "Silicon Austria"-Standorten rund 500 zusätzliche Arbeitsplätze in Forschung und Entwicklung (F&E). Mittel- und langfristig soll durch die Initiative der momentan rund 4.000 Forscher umfassende Sektor noch deutlicher wachsen.

Mit dem aufseiten des Bundes vom Infrastrukturministerium getragenen Vorhaben soll Österreich zu einer stärkeren Marke im Bereich des "Nervengeflechts" vieler moderner Technologien werden, betonte Leichtfried. Die Konzentration auf die Standorte in der Steiermark, Kärnten und Oberösterreich mache aufgrund der bisherigen Expertise an den dortigen Universitäten, außeruniversitären Einrichtungen und nicht zuletzt den Unternehmen Sinn. Was die jeweilige regionale Finanzierung betrifft, habe man einen "fairen Aufteilungsschlüssel" ausgehandelt, so der Minister, ohne genaue Zahlen zu nennen. Im Volumen etwas kleiner dimensioniert dürften allerdings die Investitionen in Oberösterreich sein, wie Kern durchblicken ließ.

Mit diesem Konzept im Rücken könne man es auch als kleines Land mit "Technologie-Riesen" aufnehmen, zeigte sich FEEI-Vizepräsidentin und Infineon Österreich-Chefin Sabine Herlitschka überzeugt. Wichtig sei nun, schnell mit den neuen Aktivitäten zu starten, dann hätte man auch als "Kleiner" Chancen im Kampf "David gegen Goliath", so die Branchenvertreterin, die "Silicon Austria" als große Wachstumschance für den Wirtschaftssektor mit aktuell 63.000 Beschäftigten in 188 heimischen Betrieben bezeichnete.

Die Gesamtkoordination des bundeslandübergreifenden "Clusters" werde in Graz liegen, sagte die steirische Forschungs-Landesrätin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP). Angesiedelt am Campus Inffeld der Technischen Universität (TU) Graz werde der steirische Teil bald 150 bis 200 Wissenschafter umfassen. Thematisch soll es um das Zusammenführen jener verschiedener Systeme gehen, die beispielsweise für sicheres autonomes Fahren notwendig sind.

Am High Tech Campus Villach liegt der Fokus wiederum auf der Entwicklung mikroelektronischer Sensoren und Leistungselektronik - also der Verkleinerung und Erhöhung der Energieeffizienz wichtiger Bauteile. Für Kärnten sei es auch aufgrund der bereits mehr als 20-jährigen Forschungs- und Industrietradition "wichtig, dabei zu sein", so Technologiereferentin Gaby Schaunig (SPÖ).

"Wenn wir nicht dabei sind, geht die Post ohne uns ab", sagte OÖ-Forschungsreferent Michael Strugl (ÖVP). In den Labors des "Silicon Austria"-Standortes im Science Park Linz wird der Schwerpunkt auf Fragen zur sicheren Übertragung großer Datenmengen im Hochfrequenz-Bereich liegen. Ohne diese Technologien, mit denen man in oberösterreichischen Forschungseinrichtungen schon seit den 1990er Jahren Erfahrung habe, ist etwa ein Austausch zwischen selbstfahrenden Fahrzeugen und damit autonomer Verkehr nicht möglich.

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