AT&S hat Anlaufschwierigkeiten in China

Wien/Leoben (APA) - Der börsennotierte Leiterplattenhersteller AT&S hat im abgelaufenen Geschäftsjahr (2016/17) 22,9 Mio. Euro Verlust gemacht, davor gab es zuletzt 2009/2010 rote Zahlen. Damals war der Grund die Restrukturierung durch die Verlagerung wichtiger Produktionen nach Asien. Heute gehe es um Investitionen in Zukunftsprodukte, erläuterte AT&S-Chef Andreas Gerstenmayer bei einer Pressekonferenz.

"Wir wollen uns mit der Strategie 'More than AT&S' neue Technologien aneignen", sagte Gerstenmayer in Wien. Der Trend zur Miniaturisierung sei weiterhin ungebrochen. Das nunmehr negative Ergebnis sei daher "keine Überraschung", die Höhe des Verlusts habe mit Anlaufschwierigkeiten insbesondere im chinesischen Werk Chongqing zu tun.

Im Werk 1 in Chongqing sei inzwischen die Volumsproduktion erreicht worden. Die zweite Produktionslinie sei im Dezember 2016 gestartet worden. Für die dort produzierten IC-Substrate seien weitere Verbesserungen in Arbeit. "Wir rechnen damit, dass der Preisdruck für IC-Substrate noch eine Zeit anhält, weil ältere Technologien noch länger im Markt bleiben", sagte Gerstenmayer.

Auch im zweiten großen chinesischen AT&S-Werk in Shanghai wird umgebaut, dort wird für die Produktion der nächsten Technologiegeneration (mSAP) von High-End-Leiterplatten umgerüstet. Der Start der Serienproduktion ist im zweiten Halbjahr 2017 geplant.

Beim Umsatz konnte AT&S im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Zuwachs verbuchen: Mit 6,8 Prozent Plus liege man deutlich über der Marktentwicklung, betonte Gerstenmayer. Der globale Leiterplatten- und IC-Substratemarkt ging 2016 im Vorjahresvergleich um 1,9 Prozent zurück, der Elektronikmarkt verzeichnete im Vorjahresvergleich ein kleines Minus von 0,6 Prozent.

Kerngeschäft profitabel

Im Kerngeschäft sei die Entwicklung sehr gut und profitabel gewesen, gedrückt wurde es durch die negativen Effekte aus Chongqing, aus dem teilweisen Umbau des Werks Shanghai sowie durch Preisdruck bei mobilen Endanwendungen. Die Zahl der Mitarbeiter ist von 8.759 auf 9.526 gestiegen, davon sind alleine 2.083 in Chongqing tätig. Die Zahl der in Österreich Beschäftigten blieb mit 1.300 stabil.

Finanzvorstand Karl Asamer präsentierte die Zahlen für das mit Ende März endende Geschäftsjahr, die bereits Montagabend veröffentlicht worden waren. Der Rekordumsatz von 814,9 Mio. Euro wurde zu 82 Prozent durch Produktion in Asien und zu 18 Prozent durch Produktion in Europa erzielt. Das EBITDA mit 130,9 Mio. Euro und das EBIT mit 6,6 Mio. Euro zeigen die Belastungen durch die Chongqing-Effekte. Das Finanzergebnis ist mit 17,5 Mio. Euro negativ, unterm Strich bleiben 22,9 Mio. Euro Verlust, pro Aktie ein Minus von 0,59 Euro nach plus 1,44 Euro im Geschäftsjahr davor.

Positives für Österreich zeigt die Auflösung einer Rückstellung in Höhe von 7,3 Mio. Euro für nicht genutzte Flächen. Diese Flächen wurden 2008 stillgelegt und werden inzwischen wieder für das operative Geschäft genutzt. Im letzten Geschäftsjahr wurden 16 Mio. Euro in Österreich investiert, die großen Investitionen finden aber in Asien statt. Alleine 169,2 Mio. Euro wurden im letzten Geschäftsjahr in das Projekt Chongqing investiert.

Umsatzplus von 10 bis 16 Prozent angestrebt

Im Geschäftsjahr 2017/18 rechnet AT&S - unter der Voraussetzung eines makroökonomisch stabilen Umfelds sowie einer Währungsrelation Dollar-Euro auf ähnlichem Niveau wie im abgelaufenen Geschäftsjahr - mit einem Umsatzwachstum von 10 bis 16 Prozent. Die EBITDA-Marge soll auf Basis der Marktentwicklungen bei IC-Substraten und dem Anlauf der nächsten Technologiegeneration (mSAP) bei 16 bis 18 Prozent liegen. Höhere Abschreibungen für hauptsächlich neue Produktionslinien in der Höhe von rund 25 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2017/18 werden das EBIT beeinflussen.

Ob es für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Dividende geben wird ist noch nicht entschieden. Ein Vorschlag des Vorstands werde im Aufsichtsrat im Juni diskutiert werden, dann werde der Hauptversammlung am 6. Juli ein Dividendenvorschlag unterbreitet, sagte Gerstenmayer.

Die AT&S Austria Technologie & Systemtechnik Aktiengesellschaft mit Sitz im steirischen Leoben ist seit 1999 börsennotiert. Ex-SPÖ-Finanzminister Hannes Androsch hält 16,3 Prozent der Aktien, 17,8 Prozent hält Willibald Dörflinger, der Rest (65,9 Prozent) ist im Streubesitz.

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