Viele Bankkunden nutzen FinTechs, am Vertrauen hapert es

Wien (APA) - Die etablierten Banken müssen sich warm anziehen. Die Konkurrenz durch Nichtbanken - vor allem Anbieter der FinTech-Start-up-Szene - wächst. Die Hälfte aller Bankkunden weltweit nutzt schon Angebote der meist jungen FinTech-Plattformen. Allerdings vertrauen nur 23,6 Prozent der Kunden diesen Anbietern. Bei vielen mangelt es an Transparenz.

Das beschreibt der "World FinTech Report 2017" des Technologieberaters Capgemini in Zusammenarbeit mit LinkedIn und der Plattform Efma.

"FinTech" ist hier definiert als neues technologiebasiertes Finanzunternehmens, das jünger als fünf Jahre ist. Immer bedeutsamer würden diese Anbieter bei jungen, technikaffinen und vermögenden Kunden. Vor allem in aufstrebenden Märkten: So nehmen 75 Prozent aller Kunden in China und Indien die Dienstleistungen von FinTech-Unternehmen in Anspruch, gefolgt von den Vereinigten Arabischen Emiraten und Hongkong.

In der Vermögensverwaltung gab es die größten Zuwächse. Hier beanspruchen 17,4 Prozent (Europa: 16,5 Prozent) aller Kunden ausschließlich Dienste von FinTechs, weitere 27,4 Prozent (Europa: 19,5 Prozent) zusätzlich zu ihren bisherigen Anbietern. Weil sich viele FinTechs Nischen abdecken, nutzen viele (46,2 Prozent) die Dienste von mehr als drei FinTech-Anbietern. Es wurden rund 8.000 Kunden befragt.

Mäßig bestellt ist es trotzdem um das Kundenvertrauen. So gaben nur 23,6 Prozent (Europa: 16,1 Prozent) der befragten Bankkunden an, FinTech-Anbietern zu vertrauen, im Gegensatz zu 36,6 Prozent (Europa: 24,1 Prozent) bei traditionellen Unternehmen. An den traditionellen Banken schätzten die Kunden viele Vorzüge wie Service, Transparenz oder Betrugsschutz. An einer proaktiven "Innovationsstrategie" mangelt es aber in der Mehrzahl der für die Studie befragten traditionellen Finanzhäuser. Die Onlinewelt, der bessere Zugang zu Risikokapital und geringere Eintrittshürden haben indes einen fruchtbaren Boden für wachsende FinTechs geschaffen, heißt es im Report.

Viele Banken haben bereits angekündigt, mit FinTechs zusammenarbeiten zu wollen. "Den Führungskräften der Finanzdienstleister erscheinen FinTechs in einem neuen Licht, seit sie mehr und bessere Möglichkeiten zur Zusammenarbeit sehen. Sie machen aber auch selbst deutliche Fortschritte beim Aufbau agiler unternehmenseigener FinTech-Fähigkeiten", meint Stephan Kolarik von Capgemini Österreich. 60 Prozent der befragten Finanzinstitute sehen FinTechs nun als potenzielle Partner. Fast ebensoviele (59,2 Prozent) bauen unternehmensinterne Ressourcen auf. Ein kleinerer Teil (18,6 Prozent) kauft selber FinTechs auf.

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