Budget-Krise der Justiz: Wiener Startup hilft

Im Streit um Einsparungen in der Justiz gibt es spontane Unterstützung aus der digitalen Startup-Szene durch kostenfreie Legal Tech-Software.

Die berechtigten Proteste der Richterschaft sollten niemanden kalt lassen
Veronika Haberler
Legal Tech ist das Zukunftsthema schlechthin, leider werden auch so wichtige Innovationsprojekte wie die Digitalisierungsinitiative Justiz 3.0 nicht ausreichend gefördert.
Veronika Haberler
Der Erfolg des Wirtschaftsstandorts hängt zu einem wesentlichen Teil auch davon ab, wie effektiv die Durchsetzung von zivilrechtlichen Ansprüchen gelingt. Lange Verfahrensdauern stellen eine Belastung für die Beteiligten dar, und Legal Tech kann menschliches Know-How ergänzen, aber nicht wirklich ersetzen.
Peter Melicharek

Wien (OTS) - Die Budgetkrise in der Justiz spitzt sich weiter zu: Gestern haben sich Richter und Staatsanwälte in einer Protestaktion am Landesgericht Klagenfurt zusammengefunden, um gegen die geplanten Einsparungsmaßnahmen im Justizressort der Regierung zu protestieren. Nach den Plänen der Regierung sollen in den kommenden zwei Jahren 176 Stellen von Beamten und Vertragsbediensteten sowie auch 40 Richteramtsanwärter eingespart werden. Vertreter der Richterschaft kritisieren die Sparpläne als unverantwortlich. Heute kommt Rückendeckung aus der Wirtschaft. Das Wiener Legal Tech-Startup LeReTo bietet an, die Gerichte mit seiner Recherche-Software zeitlich zu entlasten, was bis zu 20.000 Arbeitsstunden für Kernaufgaben freispielen kann.

"Die berechtigten Proteste der Richterschaft sollten niemanden kalt lassen", sagt LeReTo-Geschäftsführerin Veronika Haberler. Haberler ist als Pionierin der heimischen Legal Tech Branche bekannt und beforschte die Entscheidungsfindung am Obersten Gerichtshof. Sie ist stolz auf die internationale Vorreiterrolle der österreichischen Justiz in Europa und möchte mit der Support-Aktion einen Beitrag leisten. Bis das Justizressort wieder mit einem realistischen Budget ausgestattet ist, kann jeder Richter das „Legal Research Tool“ ab sofort komplett kostenfrei nutzen. Durch die automatische Suche von Gesetzen, Literatur und Judikaten sollen die schlimmsten Engpässe abgefedert werden.  

Digitale Lösungen können dabei helfen, die Justiz bei der Bearbeitung von Fällen zu unterstützen, erklärt Haberler. "Legal Tech ist das Zukunftsthema schlechthin, leider werden auch so wichtige Innovationsprojekte wie die Digitalisierungsinitiative Justiz 3.0 nicht ausreichend gefördert." Dabei gebe es allein mit dem Einsatz der Recherche-Software LeReTo einen Zeitgewinn von bis zu 90%, rechnet Haberler vor.

Auch Rechtsanwalt und Zivilprozess-Experte Peter Melicharek zeigt sich von den Sparplänen betroffen und hofft, dass die Politik einlenkt. Schon seit 1959 ist Österreich führend im Bereich EDV und Justiz, Solidaritätsbekundungen allein würden nun nicht ausreichen, um die Pole Position zu verteidigen. In Zeiten von zunehmenden Massen-Verfahren durch Digitalisierung der Anwälte ausgerechnet bei Planstellen in der Richterschaft sparen zu wollen, sei nicht weitsichtig. "Der Erfolg des Wirtschaftsstandorts hängt zu einem wesentlichen Teil auch davon ab, wie effektiv die Durchsetzung von zivilrechtlichen Ansprüchen gelingt. Lange Verfahrensdauern stellen eine Belastung für die Beteiligten dar, und Legal Tech kann menschliches Know-How ergänzen, aber nicht wirklich ersetzen."

Kostenfreie Justiz-Accounts können per E-Mail an info@lereto.at ab sofort angefordert werden.


Der Trend Legal Tech

Legal Tech beschreibt EDV-Lösungen, die juristische Arbeitsprozesse teilweise oder gänzlich automatisieren. Besonders gut funktionieren Anwendungen, die repetitive Aufgaben übernehmen. Die Bandbreite reicht von Machine Learning-Applikationen zur Prognose von Urteilen über automatische Vertragserstellung bis zu Künstlicher Intelligenz, die Texte „versteht“ und auswertet. Durch den Einsatz dieser Technologie können Anwälte auch kleine Fälle wie Flugverspätungen oder Reise-Entschädigungen kostendeckend einklagen. 

LeReTo: Legal Tech aus Wien

LeReTo wurde von Wirtschaftsanwalt Peter Melicharek und der promovierten Soziologin Veronika Haberler gegründet und ist seit Sommer 2016 am österreichischen Markt vertreten. Das Startup wurde beim Constantinus Award 2016, eAward 2017 sowie STP Innovation Award 2017 in Österreich und Deutschland ausgezeichnet. Das innovative Projekt wurde mit Unterstützung der FFG aus den Austrian Electronic Network-Mitteln (AT:net Initiative) des Bundeskanzleramts gefördert.

Weiterführende Informationen zu Legal Tech:

www.toolbox.legal

www.legaltechaustria.at

Initiative Justiz 3.0

Rückfragen & Kontakt:

LeReTo KG | Dr Veronika Haberler
+43 1 8909966 | vh@lereto.at
www.lereto.at

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