Experten: IT-Sicherheit wird zur globalen Herausforderung

Cyberattacken können zunehmend auch physische Schäden anrichten – Vorteile der Digitalisierung überwiegen aber

Wien (OTS) - Noch hat man die bekannten Probleme im Bereich IT-Sicherheit nicht vollständig im Griff, da erhöht der Trend zu Künstlicher Intelligenz (KI) und zur Vernetzung das Gefahrenpotenzial der Digitalisierung noch einmal deutlich. Aber auch wenn Cyberattacken nun physischen Schaden an Umwelt und Personen anrichten können, überwiegen die Vorteile die Risiken durchaus, erklärten Expertinnen und Experten bei einer Podiumsdiskussion der Plattform „Digital Business Trends“ (DBT) gestern, Donnerstagabend, in Wien.

„IT-Sicherheit wird vom Expertenthema zum globalen Handlungsfeld für viele Bereiche. Man denke an den Gesundheitssektor – Stichwort Angriffe auf Herzschrittmacher –, die Autoindustrie, aber auch die landwirtschaftliche Produktion“, so Alexander Janda, Generalsekretär des Kuratoriums Sicheres Österreich. In China werde KI zur Überwachung, Belohnung und Bestrafung eingesetzt. Grundlage dafür sei eine Datenbank, in die Informationen und Fotos von 700 Mio. Staatsbürgern eingespeist wurden. In den USA gehe der Trend eher in Richtung Kommerzialisierung: „Wer da in ein Autohaus geht, bekommt am Tag darauf Werbung des Herstellers in seine sozialen Netzwerke“, erklärte Janda. Zudem werde derzeit daran geforscht, anhand von Gesichtserkennung auf die politische und sexuelle Orientierung zu schließen beziehungsweise sogar den genetischen Code auszulesen.

Eine berechtigte Frage sei daher, ob man die technische Entwicklung bei einer so großen Dynamik überhaupt noch beherrschen könne. Außerdem gehe es auch um die technische Souveränität Österreichs und Europas. „Stellen Sie sich vor, die USA hätten in der Autoindustrie einen Marktanteil von 95 Prozent. Bei IT und neuen Medien ist das, wenn man China ausklammert, schon der Fall“, so der Experte. Er plädierte dafür, die Zusammenarbeit zwischen Staat, Wirtschaft und Forschung zu verstärken und den aktuellen Status in Planspielen zu testen. Erst kürzlich seien Cyberangriffe auf die kritische Infrastruktur im Energiebereich simuliert worden. Der Staat beschäftige sich sehr intensiv mit dem Thema und habe begonnen das ernst zu nehmen. Die notwendigen Ressourcen fehlten zum Teil aber noch. 

Betrugs-Mails immer raffinierter

Generell potenziere die technologische Durchdringung und Vernetzung nahezu aller Prozesse und physischen Systeme das Risiko, Opfer von Cyber-Angriffen zu werden, erklärte Markus Schreiber, Marketing-Leiter für den Geschäftskundenbereich der A1 Telekom Austria. Alleine in Österreich sei die Anzahl von gemeldeten Cybercrime-Delikten innerhalb der vergangenen beiden Jahre um 30 Prozent gestiegen. Nachholbedarf sieht er auch bei Schulungen für Mitarbeiter. „Betrugs-Mails waren früher sehr plump. Jetzt wird die Rechnung perfekt nachgebaut, nur die Bankverbindung ist geändert. Da braucht es entsprechendes Wissen“, sagte Schreiber.

„Das ist die Voraussetzung für die moderne, digitale Wirtschaft“, pflichtete Verena Becker, Referentin in der Bundessparte Information und Consulting der Wirtschaftskammer Österreich, bei. Vor allem kleine und kleinste Unternehmen müssten lernen, mit dem Thema umzugehen: „Die können das nicht auf die IT-Abteilung abschieben. Es führt kein Weg zurück, die Entwicklung ist rasant und geht mit zeitlichen und finanziellen Aufwänden einher.“ Manchmal nerve IT-Sicherheit auch einfach nur. Hier gelte es einen Kompromiss zwischen Benutzerfreundlichkeit und Sicherheit zu finden sowie bei den Mitarbeitern auch ein entsprechendes Bewusstsein zu schaffen. Das müsse aber schon in den Schulen beginnen. 

Technologie noch nicht im Griff

„Kinder und Jugendliche haben gelernt, auf der Straße nach links und rechts zu schauen, aber mit dem Handy lassen wir sie alleine“, sieht auch Alexander Mense, Leiter des Instituts für „Information Engineering & Security“ an der Fachhochschule Technikum Wien hier einen Ansatzpunkt. Er verweist ebenfalls auf eine enorme Dynamik durch die aktuellen Trends: „Wir haben die letzte Technologie-Generation zum Teil noch nicht im Griff. Und jetzt entstehen in Bereichen wie Produktion, Gesundheitswesen oder Verkehr zunehmend lebensgefährdende Abhängigkeiten zwischen Betriebssicherheit (Safety) und IT-Sicherheit (Security)“, so der Experte. Gleichzeitig würde beispielsweise Künstliche Intelligenz aber auch eingesetzt, um die Systeme sicherer zu machen.

„Die Gesellschaft nimmt die Risiken der Digitalisierung offenbar auf sich, weil die Vorteile als viel größer wahrgenommen werden. Das war bei der Einführung des Automobils auch so“, gab sich Johanna Ullrich, Senior Researcher bei SBA Research – einem Kompetenzzentrum der TU Wien für Informationssicherheit –, überzeugt. Erhöhten Handlungsbedarf sieht sie wegen der Vernetzung von physikalischen Systemen wie dem Stromnetz, Automatisierungsanlagen oder Autos mit dem Internet. „Zum einen können Angriffe nun auch physischen Schaden an Umwelt und Personen anrichten. Zum anderen ist die Tragweite dieser Verbindung noch nicht vollständig untersucht“, erklärte Ullrich. 

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