ISPA Forum 2015: Online-Medienförderung

Währinger Straße 3/18, 1090 Wien (OTS) - Auf der Agenda von Medienminister Ostermayer steht für diese Legislaturperiode unter anderem eine Reform der Presseförderung. Gefordert wird eine deutliche Erhöhung, ist doch die Fördersumme in den letzten Jahren stetig gesunken und im Vergleich zu anderen Ländern relativ niedrig. Mit dem Ziel, die Vielfalt der Inhalte zu fördern, soll aber das derzeitige Modell generell überarbeitet werden und das könnte eine Chance für die immer stärker werdenden Online-Medien sein. Denn im Gegensatz zu den klassischen Medien gibt es für den Online-Journalismus keine direkten Förderungen, zumindest nicht in Österreich.

Braucht es denn überhaupt eine Medienförderung und warum? Wäre es nicht an der Zeit, in diese Subventionen auch hierzulande - wie beispielsweise schon in Frankreich, Italien oder Schweden -informative Onlineangebote mit einzubeziehen und damit die Veränderungen im Konsumverhalten zu berücksichtigen? Soll einfach die bestehende Presseförderung auch auf Online-Medien ausgedehnt werden? Und wenn ja, an welche konkreten Voraussetzungen soll dies geknüpft sein? Oder erfordert eine neue Medienlandschaft vielleicht ein radikales Umdenken in der Förderungsfrage? In welche Richtung könnten zeitgemäße Modelle gehen? Und nicht zuletzt: Woher sollten die Mittel kommen? Fragen wie diese diskutierten Medienexpertinnen und -experten mit reger Publikumsbeteiligung am vergangenen Donnerstag beim diesjährigen ISPA Forum. Die Moderation der Podiumsdiskussion erfolgte durch ISPA Generalsekretär Maximilian Schubert.

"Fluch und Segen der Medienförderung in Österreich"

Dass das Thema Medienförderung ein kontroversielles ist, zeigte schon der Titel des Impulsreferats von Josef Trappel, Leiter des Fachbereichs Kommunikationswissenschaft und der Abteilung Medienpolitik und Medienökonomie an der Uni Salzburg, in dem er auf die Politik, die Finanzierung und die Quellen der Medienförderung einging. Durch die starke Verwobenheit von Politik und Medien könne Förderung leicht in den Geruch der Begünstigung geraten, darüber hinaus setze die EU Grenzen für jede Form der Förderung. Auch wenn Trappel findet, dass Subventionen faul machen können, nimmt er auch "Papa Staat" in die Pflicht: "Eine Möglichkeit, die Finanzierungslücke im Nachrichtenjournalismus zu schließen, ist die Medienförderung. Das Geld dafür sollte gemeinsam von der öffentlichen Hand und von denjenigen aufgebracht werden, die an Nachrichten verdienen."

Sicherer Hafen - Steuerzahler

Alexander Görlach, der 2009 "The European" vorerst als reines Online-Medium gegründet hat - seit September 2012 erscheint es vierteljährlich auch als Print-Ausgabe - ist nach wie vor Herausgeber und Chefredakteur des Debattenmagazins. Er erläuterte kurz den ungewöhnlichen Weg seines Magazins und die Besonderheiten der Medienförderung in Deutschland; vom dort 2013 eingeführten Leistungsschutzrecht, das auch hierzulande als mögliche Finanzierungsquelle für Qualitätsjournalismus angepriesen wird, hält er gar nichts. Andererseits sei durchaus Finanzierungsbedarf gegeben. "Journalismus hat kein Geschäftsmodell, wenn die Todesanzeigen und der Stellenmarkt nicht mehr das Feuilleton oder den Leitartikel tragen, dann muss es andere Modelle geben. Crowdfunding ist gescheitert, bleiben nur noch Stiftungen, Mäzene und, der sicherste Hafen, der Steuerzahler", so Görlach.

Journalismus versus Verlage

Jan Krone vom Österreichischen Institut für Medienwirtschaft an der FH St. Pölten hat seit 2014 einen Lehrauftrag im Studiengang "Digitale Medienkultur", Modul Medienökonomie an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf in Potsdam. Darüber hinaus ist er stellvertretender Vorsitzender des Vereins CARTA, welcher mit Online-Publikationen, Veranstaltungen und der Förderung von journalistischen Talenten einen Beitrag für eine informierte, teilhabende Öffentlichkeit leistet. Krone sprach sich sehr deutlich für Journalismusförderung aus und forderte auch für den Online-Bereich Fördermittel wie in den anderen Mediengattungen: "Der Medienwandel führt in der Causa Medienförderung dazu, von "Journalismus" zu sprechen und nicht von Verlagen. In der vielfältigen österreichischen Medienförderungslandschaft bestehen für den Online-Journalismus nur mittelbare Förderinstrumente."

Gescheiterte Reformversuche

Bereits 1995 entstand mit dem "Online-Standard" das erste Newsportal einer deutschsprachigen Tageszeitung im Internet. Gerlinde Hinterleitner, damals Gründerin und Projektleiterin, ist heute Geschäftsführerin und Verlagsleiterin von derStandard.at sowie Leiterin der Abteilung User Generated Content. Seit 2008 ist sie auch Präsidentin der Österreichischen Webanalyse, deren Zweck die Förderung des Online Marktes und die Erhebung vergleichbarer und objektiver Daten ist. "Medienförderungen sind in der Europäischen Union üblich. In Österreich ist die Presseförderung im internationalen Vergleich sehr gering. Versuche dies zu ändern und eine grundlegende Reform der Medienförderung durchzuführen, die auch den massiven Veränderungen des Medienkonsums und der ökonomischen Rahmenbedingungen Rechnung trägt, sind bisher immer wieder gescheitert", bedauerte Hinterleitner.

Hochwertiger Journalismus

Als Stv. Büroleiter des Staatssekretärs für Kunst und Medien im Bundeskanzleramt war Gerald Grünberger sechs Jahre lang für Medien, Internet und Telekommunikation verantwortlich. 2006 wechselte er zum Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ), wo er seit 2008 als Verbandsgeschäftsführer fungiert. Für Grünberger sind Förderungen unerlässlich, das Trägermedium dürfe keine Rolle spielen. "Medien und Meinungsvielfalt müssen unserer Gesellschaft etwas wert sein. Unabhängige Nachrichten und Informationen sind für das Funktionieren einer demokratischen Gesellschaft unabdingbar. Eine Trennlinie zwischen Print und Digital halten wir für nicht mehr zeitgemäß. Daher tritt der Verband Österreichischer Zeitungen für eine Presseförderung ein, die unabhängig vom Trägermedium Papier die Erstellung von hochwertigem Journalismus fördert. Denn in der digitalen Ökonomie wird es zunehmend schwieriger die Produktion dieser Inhalte in einem kleinen Medienmarkt wie Österreich zu refinanzieren", betont Grünberger.

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