Digitale Verwaltung: Neuer Schwung trotz fehlender Killer-App

Open Data, Apps und neue Geschäftsmodelle sorgen für Bewegung – Podiumsdiskussion beleuchtete Chancen und Stolpersteine

Wien (OTS) - Wenig bekannt und viel zu kompliziert: Digitale Angebote im Bereich der Verwaltung hatten in den vergangenen Jahren mit vielen Vorbehalten zu kämpfen. Inzwischen scheint durch den Trend zu Open Data, zahlreichen nützlichen Apps und möglichen neuen Geschäftsmodellen Bewegung in die Branche zu kommen. Über aktuelle Entwicklungen diskutierten Experten bei einer Veranstaltung im Rahmen der Plattform "Digital Business Trends" (DBT) gestern, Donnerstagabend, in Wien.

"Die Verwaltung hat keine Killer-App. Wie oft schaut man schon auf sein Pensionskonto?", thematisierte Bernhard Krabina vom KDZ Zentrum für Verwaltungsforschung eine der größten Herausforderungen in dem Bereich. Zahlreiche innovative Projekte in Österreichs Städten würden aber bereits den künftigen Weg vorzeichnen.

Krabina verwies dabei auf Initiativen wie "Salzburg macht auf", bei der Gemeinderatssitzungen im Internet übertragen werden, oder "Offener Haushalt", im Rahmen dessen Finanzdaten von Österreichs Gemeinden übersichtlich präsentiert werden. Wien setze mit der "Digitalen Agenda" auf einen Open Innovation-Ansatz. Und in Linz könnte online nachverfolgt werden, ob gemeldete Mängel noch in Bearbeitung sind oder schon behoben wurden.

Wer braucht das Baumkataster?

Vor allem Wien sei bei Open Data gut unterwegs und werde durch eine aktive Community unterstützt, so Krabina. International betrachtet gebe es Luft nach oben, "die Politik hat das Thema noch zu wenig aufgegriffen". Open Data sei aber ein zentraler Bestandteil der künftigen digitalen Verwaltung, "weil ohne offene Daten kann ich nicht mitentscheiden". Hier dürfe man Quantität nicht mit Qualität gleichsetzen, meinte Alois Paulin von der Technischen Universität (TU) Wien. Bei den in Wien verfügbaren Datensätzen seien zwar Standortdaten sehr gefragt, "das Baumkataster oder die Top-10-Automarken der Hauptstädter braucht aber keiner".

Wenn man Apps anbiete, mit denen beispielsweise gemeldet werden könnte, dass die Rutsche am Spielplatz kaputt ist, würden Bürger an die Stadt herangeführt. Das sei zwar nur ein kleiner Schritt, aber der mögliche Beginn der Partizipation, ergänzte Michael Schramm von IBM Österreich. Außerdem produziere eine Stadt immense Datenströme, die aber noch sehr wenig genutzt werden. Mit intelligenter Analyse-Software könnten diese Daten zum Nutzen der Bürger, der öffentlichen Verwaltung und deren Dienstleister in relevante Informationen umgewandelt werden. "Das ermöglicht es, den Bürgern auf den Zahn zu fühlen und herauszufinden, was gerade bewegt und was die Politik angehen sollte", so Schramm.

Auf dem Weg zur elektronischen Identität

"Das ist knapp an oder über der Grenze zur Überwachung", so Paulin. Er verstehe Partizipation in dem Sinne, "dass wir den Staat demokratisch kontrollieren und steuern können". Eine große Herausforderung sei derzeit noch die elektronische Identität. Hier liege Österreich zwar mit Handysignatur und Bürgerkarte ganz vorne, "das funktioniert aber nicht grenzüberschreitend". Man dürfe sich nicht auf Österreich fokussieren, sondern müsse mindestens Europa, wenn nicht die Welt adressieren. "Die Frage ist: Wie sieht die Technologie aus, die eine einzige elektronische Identität ermöglicht? Da sind wir erst in einer frühen Pionierphase", erklärte Paulin.

Chancen für neue Geschäftsmodelle ortete Daniel Miedler vom IT-Lösungsanbieter Dimension Data Austria. "Wenn der Nutzen und das Verständnis vermittelt werden, sind die Menschen bereit, Daten zu teilen. Wer mit dem Auto eines Carsharing-Anbieters wegfährt, signalisiert damit, dass ein Parkplatz frei wird. Diese Daten könnten für den Staat oder ein Unternehmen nützlich sein", sagte Miedler. Besonders durch Entwicklungen wie das Internet der Dinge würden sich hier neue Möglichkeiten auftun.

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