„Health Tech“ – Wie smarte Gadgets unsere Gesundheit verbessern

Smarte Textilien messen die Atemfrequenz, intelligente Pflaster die Körpertemperatur und Körperscanner erstellen Diagnosen – Podiumsdiskussion zeigt Chancen, Risiken und Nebenwirkungen

Wien (OTS) - Neue Gadgets und Apps zur Messung und Auswertung von Gesundheitsdaten können unsere Fitness verbessern oder sogar unser Leben verlängern. Die Palette reicht dabei von smarten Pflastern bis zu vernetzten Implantaten. Über mögliche Risiken und Nebenwirkungen diskutierten Expertinnen und Experten bei einer Podiumsdiskussion der Plattform "Digital Business Trends" gestern, Donnerstagabend, in Wien.

"Health Gadgets zur Messung und Nutzung von persönlichen Daten helfen uns gesund zu leben, Krankheiten früher zu erkennen und neues Wissen zu erschließen", erklärte Florian Schumacher, Trendscout und Gründer von Quantified Self Germany, einer Plattform rund um Self-Tracking Lösungen. Ergänzt um das "Internet der gesunden Dinge", bei dem sich die verschiedensten Geräte miteinander vernetzen, gebe es hier enormes Potenzial.

Eine große Rolle dabei spielen "Wearables", also am Körper getragene Systeme. Im vergangenen Jahr hätten vor allem sogenannte "Activity Tracker" zu einem wahren Höhenflug angesetzt. Zahlreiche Hersteller drängen in diesem Bereich auf den Markt. "Der Trend geht hier einerseits in Richtung Einfachheit, wo Technologie praktisch unsichtbar wird, und andererseits zu einer komplexeren Sensorik, etwa UV-Sensoren, durch die immer mehr Daten generiert werden", so Schumacher.

Apple Watch kommt im April auf den Markt

Heuer könnte das Jahr der Smart Watch ausgerufen werden. "Im April startet ja die Apple Watch. Das Unternehmen hat sich dafür Experten im Bereich Bio-Sensorik eingekauft, um neue Funktionen, beispielsweise die Bestimmung des Blutzuckerspiegels, zu entwickeln", sagte der Trendscout. Auf den Markt kommen zudem "Hearables": Dazu zählen auch Ohrhörer mit optischer Pulsmessung, über die während des Laufens Fitness-Tipps gegeben werden. "Ein auditiver Kanal wirkt viel emotionaler", sieht Schumacher hier Marktchancen.

Dazu kommen smarte Textilien, also etwa Shirts, die die Atemfrequenz messen. Auch ihnen bescheinigen Analysten Potenzial. "Smarte Pflaster, die die Körpertemperatur aufs Handy übertragen, gibt es ebenfalls schon. So kann man seinen erkrankten Kindern das dauernde Fiebermessen ersparen", ist Schumacher überzeugt. Implantate würden hingegen derzeit nur von einigen Bio-Hackern und im medizinischen Bereich verwendet. "Ein sogenannter Medical Tricorder, ein Körperscanner, der als virtueller Arzt aus medizinischen Daten Diagnosen erstellen soll, könnte eventuell im ländlichen Raum eingesetzt werden", prognostizierte der Experte.

"Übersetzer" für medizinische Daten notwendig

"Die Gadgets an sich werden keine Diagnose stellen können. Sie dienen eher der Schärfung der persönlichen Wahrnehmung und können Empfehlungen abgeben. Denn der Körper spricht eine sehr heterogene Sprache, die man erst verstehen muss", erklärte Eugenijus Kaniusas von der Technischen Universität (TU) Wien. "Die Mehrheit kann mit den medizinischen Zahlen allein noch nichts anfangen. Hier braucht es eine zusätzliche Ebene, die das für alle verständlich macht. Wir müssen die Sprache der Nutzer sprechen", so Kaniusas. Außerdem sei ein gewisser Unterhaltungsfaktor notwendig.

Er verwies zudem auf den großen Unterschied zwischen Fitness-Tools und professionellen medizinischen Anwendungen. Die TU arbeite beispielsweise an individueller Schmerzlinderung auf Knopfdruck und Durchblutungssteigerung auf Wunsch. Dafür seien eine enge Zusammenarbeit mit Ärzten und das Vorhandensein von hoch qualifizierten Mitarbeitern und Studierenden, die bereit sind, interdisziplinäre Grenzen zu durchbrechen, unentbehrlich.

Umgang mit Technologie muss erklärt werden

"Bestimmte Dinge, etwa die Daten eines Schrittzählers, kann der Nutzer selbst auswerten. Aber bei anderen Sachen braucht es einen Experten", ist auch Peter Uher von A1 Telekom Austria überzeugt. "Viele Dinge sind derzeit trendy, aber werden sie auch genutzt? Personen, die das wirklich benötigen, können zum Teil damit nicht umgehen, es sich nicht leisten, oder finden es absolut nicht hip", so Uher. Bei chronischen Krankheiten würden zwar bereits große Erfolge erzielt. Hier könnte die Rehospitalisierungsrate deutlich gesenkt werden. "Allerdings muss man die Vorteile der Technologie und den Umgang damit erklären", sagte der Leiter der Gruppe Public Sector & Health bei A1.

"Derzeit gibt es viel am Markt, was für den Endverbraucher irrelevant ist und nur Techies anspricht. Da herrscht Goldgräberstimmung", ergänzte Elisabeth Oberndorfer, Silicon Valley-Korrespondentin unter anderem für den Digital-Marketing-Spezialisten Werbeplanung.at. Künftig werde wohl eher mit Dienstleistungen Geld verdient, weniger mit der Hardware. Sie prognostiziert zudem einen Trend zum Universalgerät und eine Konzentration auf zwei bis drei Plattform-Anbieter, die künftig den Markt beherrschen.

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