Lebendige Kultur: Per App individuell durchs Museum

Wien (OTS) - Sieben EU-Partner aus Frankreich, Großbritannien, Griechenland und Deutschland entwickelten gemeinsam eine mobile App, die den Museumsbesuch nicht nur zu einem kulturellen, sondern auch zu einem interaktiven Highlight werden lässt. Via Smartphone und Tablet erleben Besucher eine einzigartige, individuell auf sie abgestimmte Museumsführung. Die neue App wird von der EU mit 2,8 Mio. EUR gefördert und bei der Innovation Convention am 10./11. März in Brüssel vorgestellt.

In Österreich haben Museumsbesuche einen festen Platz in der Gesellschaft - Tendenz steigend. Allein die Bundeshauptstadt Wien wartet mit über 100 Museen und Sammlungen auf. Ein Blick auf die Besucherzahlen der Museen verdeutlicht das große Interesse am Kunstgeschehen: Laut Statistik Austria verzeichneten die Bundesmuseen im Jahr 2012 einen Anstieg der Besuchszahlen um 13,8 Prozent auf 4,61 Millionen gegenüber dem Vorjahr. "Kunst und Kultur attraktiv zu gestalten, um vor allem auch junge Leute dafür zu begeistern, ist nicht nur ein Anliegen der österreichischen Kulturpolitik, die seit 2010 Gratis-Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre in den Bundesmuseen ermöglicht, sondern auch des MuseumsQuartiers Wien", berichtet Dr. Christian Strasser, Direktor vom MuseumsQuartier Wien. "Das MQ als eines der weltweit größten Kunst- und Kulturareale ist laufend bemüht, neue Besuchergruppen anzusprechen. Neben den Programmen in den Museen und Ausstellungshäusern finden zahlreiche Veranstaltungen in den MQ- Höfen bei freiem Eintritt statt, um einen unkomplizierten Zugang zu Kunst zu ermöglichen."

CHESS (Cultural-Heritage Experiences through Socio-personal interactions and Storytelling) ist ein auf drei Jahre angelegtes Projekt. Mit der CHESS-App soll die Vergangenheit zum Leben erweckt werden. "Das Erlebnis bei einer herkömmlichen Führung ist meist linear, und der Besucher bleibt oft passiver Zuschauer. Mit CHESS wird der Museumsbesuch zum Computerspiel, und die Besucher nehmen aktiv an der Kultur vor Ort teil. Besucher erhalten so Informationen, werden aber auch herausgefordert, gelockt und unterhalten. Spiele sind ein wichtiger Bestandteil, wenn es darum geht, Museen für Besucher, insbesondere Kinder und Jugendliche, interessant zu machen", erklärt Dr. Olivier Balet vom französischen Projektkoordinator DIGINEXT.

Funktionsweise

Museumskuratoren kreieren ohne großen technischen Aufwand mit dem CHESS-Autoren-Tool dynamische Rundgänge mit zahlreichen Auswahloptionen und Multimedia-Content. Um einen maßgeschneiderten Rundgang durch die Ausstellung zu erhalten, gibt der Nutzer über die CHESS-Besucherabfrage seine persönlichen Präferenzen und Interessen ein. Schließlich startet der Rundgang-Generator die individuelle Tour, die sich fortlaufend den Wünschen des Besuchers anpasst.

Im Gegensatz zu anderen Museumsführungen zeigt die CHESS-App jedem Besucher ausschließlich die für ihn interessanten und seiner Stimmung entsprechenden Höhepunkte der Ausstellung. Es werden nur so viele Einzelheiten wie gewünscht erwähnt. Die Rundgänge können durch Multimedia-Content, 3D, Augmented Reality (erweiterte Realität) sowie Audio-Beiträge ergänzt werden.

Beim Verlassen des Museums können Besucher Eindrücke ihrer ganz persönlichen Führung als Souvenir auf der Website des Museums abrufen, um sie dann mit der Familie und Freunden z. B. als Video oder Foto zu teilen. Laut Dr. Maria Roussou von der Universität Athen hat das Projekt beste Chancen, die Art und Weise, wie wir uns in Museen verhalten und uns mit den Ausstellungsstücken auseinandersetzen, zu revolutionieren.

"Wir können das Besuchserlebnis dahingehend besser gestalten, dass wir Nutzer zu Ausstellungsstücken führen, die sie interessieren. Das bietet Vorteile für die Besucher, aber auch für die Museen, die sich über zufriedene Besucher freuen können, die gern wiederkommen", so Professor Yannis Ioannidis von der Universität Athen.

Entwicklung und Vertrieb des Produkts

Die erfolgreiche CHESS-Testphase fand letztes Jahr über sechs Monate im Museum Cité de l'Espace Toulouse und im Akropolis-Museum in Athen statt. CHESS ist aus der Zusammenarbeit der University of Nottingham, DIGINEXT (Frankreich), der National Kapodistrian University of Athens und dem Akropolis-Museum, dem Fraunhofer- Institut für Graphische Datenverarbeitung, Real Fusio (Frankreich) und der Cité de l'Espace entstanden. Der französische Projektkoordinator DIGINEXT übernimmt die Markteinführung und betreut das Projekt vom Forschungsstadium zur Einführung. Nach Einschätzung der Projektkoordinatoren wird die CHESS-Technologie voraussichtlich in zwei Jahren am Markt erhältlich sein.

"Ohne die Unterstützung der EU wäre diese Initiative nicht möglich gewesen. Für das Projekt brauchten wir führende Fachkräfte aus unterschiedlichen Branchen und mehreren europäischen Ländern. Der nächste Schritt besteht nun darin, die Technologie weiter auszubauen und auf den Markt zu bringen. Weltweit gibt es 55 000 Museen. Wir können also global expandieren", so Dr. Balet von DIGINEXT.

Michael Jennings, Sprecher von Forschungskommissarin Máire Geoghegan-Quinn, erklärte: "Europa kann auf eine lange und reiche Geschichte zurückblicken. Mit Technologien wie CHESS wird sie nicht nur für eine Generation von Digital Natives lebendiger und greifbarer. Eines der Hauptanliegen der Horizon 2020-Initiative ist die Schaffung einer umfassenden Gesellschaft, die ihre eigene Existenz reflektiert. Dazu gehören auch innovative Erfindungen zur Vermittlung und Weitergabe des kulturellen Erbes in Europa."

Informationen zu CHESS

CHESS wird innerhalb des Siebten Rahmenprogramms (FP7) der Europäischen Union von der Europäischen Kommission mitfinanziert. CHESS verfolgt zwei wesentliche Ziele: Einerseits möchte das Projekt die Reaktion der Besucher auf individualisierte Rundgänge per App erforschen und auswerten, zum anderen das inhaltliche Potenzial für Museumskuratoren aufzeigen.

Weitere Informationen zu CHESS finden Sie unter:
http://youtu.be/fZRiE7VR-xw
http://www.chessexperience.eu/

EU-Mittel für Forschung und Innovation

Am 1. Jänner hat die Europäische Union das neue Förderungsprogramm "Horizon 2020" für Forschung und Innovation aufgelegt. Die Laufzeit dieses Programms beträgt sieben Jahre. Innerhalb dieses Zeitraums werden seitens der EU fast 80 Mrd. EUR in Forschungs- und Innovationsprojekte investiert, um die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken und den Horizont des menschlichen Wissens zu erweitern. Das EU-Forschungsbudget dient hauptsächlich der Erforschung von Technologien zur Verbesserung des alltäglichen Lebens und ist vornehmlich auf Bereiche wie Gesundheit, Umwelt, Verkehr, Lebensmittel und Energie ausgerichtet. Ferner wurden mit der Pharma- , Luft- und Raumfahrt- sowie mit der Automobil- und Unterhaltungsindustrie Forschungspartnerschaften eingegangen, um Investitionen des privaten Sektors anzuregen, die für mehr Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen mit hohen Qualifikationsanforderungen sorgen. "Horizon 2020" wird sich in noch stärkerem Maße dafür einsetzen, ausgezeichnete Ideen in marktfähige Produkte, Verfahren und Dienstleistungen umzuwandeln.

Aktuelle Informationen zu Forschung und Innovation in Europa erhalten Sie unter:
http://ec.europa.eu/programmes/horizon2020/
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