Smart City: Zwischen Vernetzung und Vorbehalten

Viele neue Anwendungen in der Pipeline - Aber noch kein gesellschaftlicher Konsens zum Umgang mit intelligenten Technologien

Wien (OTS) - Die Vernetzung der kommunalen Infrastruktur soll zu einem effizienteren Energieeinsatz, intelligenten Mobilitätsangeboten und anderen smarten Services führen, die das tägliche Leben erleichtern. Auf dem Weg dorthin gibt es aber noch einige Hindernisse zu überwinden, erklärten Experten bei einer Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community gestern, Donnerstagabend, in Wien.

Ein wichtiger Aspekt ist dabei das Spannungsfeld zwischen der Risikoabschätzung beim Einsatz intelligenter Technologien und übertriebenen Ängsten. "Vernetzte Systeme führen zu mehr Sicherheitslücken und einem höheren Risiko. Außerdem haben Zwischenfälle größere Auswirkungen", erklärte Thomas Bleier vom Austrian Institute of Technology AIT. Damit einhergehende Ängste könnten ein Hindernis für den Erfolg neuer Technologien darstellen.

Der Zeitraum, diese Ängste abzulegen, werde immer knapper. Beim Auto habe es noch 50 Jahre gedauert bis eine Nutzerzahl von 50 Millionen erreicht war. So konnte eine Generation die nächste entsprechend aufklären und vorbereiten. "Bei Social Media waren es vergleichsweise nur mehr zwei Jahre", sagte Bleier. Der unbeschwerte Einsatz von Technologie sei zwar gut, allerdings habe die Gesellschaft teilweise noch keinen Konsens über den Umgang damit gefunden.

Vernetzung statt Überwachung

Es gebe zwar berechtigte Ängste, diese seien aber in den verschiedenen Bereichen sehr unterschiedlich ausgeprägt, so der Wiener Planungsdirektor Thomas Madreiter. Während E-Banking breite Akzeptanz finde, scheinen die Vorbehalte beim Elektronischen Gesundheitsakt (ELGA) sehr viel stärker ausgeprägt. Was die Smart City betreffe, dürfe man diese Entwicklung nicht mit einer total überwachten Umgebung gleichsetzen. "Das hat nicht wahnsinnig viel miteinander zu tun", ist Madreiter überzeugt.

Wien sei auf dem Weg zur intelligenten City jedenfalls gut unterwegs: "Wir spielen in der Champions League der smarten Städte und sind auf alle Fälle unter den Top-10." Die Stadt positioniere sich ganz offensiv in Richtung konsequenter Ressourcenschonung. Denn nicht jede hilfreiche Anwendung sei auch smart. Eine App, die das Parkplatzfinden in der Nähe des Arbeitsplatzes erleichtert, könnte beispielsweise dazu führen, dass Leute vom Öffentlichen Verkehr wieder auf den Individualverkehr wechseln - mit entsprechenden Auswirkungen auf die Stadt. In Wien würden inzwischen nur mehr 27 Prozent der Wege in der Stadt mit dem Privat-Pkw zurückgelegt, so der Experte.

Lebenswert trotz Einschränkungen

Allein das erwartete massive Bevölkerungswachstum in Wien stelle die Stadt für große Herausforderungen, etwa im Bereich Mobilität, erklärte Thomas Reznicek von Kapsch. Diese gelte es zu erhalten, aber effizienter zu gestalten. Mobilitätsmanagement sei ein komplexer Balanceakt. Lösungen für die vielfältigen Verkehrs- und Parkbedürfnisse müssten Probleme wie Verkehrsstaus und Umweltverschmutzung berücksichtigen und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Stadtzentren lebenswert bleiben.

In der Stadt der Zukunft komme vor allem der elektrischen Energie eine große Bedeutung zu, sprach Wolfgang Gawlik von der Technischen Universität (TU) Wien einen weiteren Aspekt an. Dabei sei es notwendig, das System Stadt in seiner ganzen Komplexität zu betrachten und über Systemgrenzen hinweg denken und planen zu können. Insbesondere müssten die Synergie- und Kopplungspotenziale unterschiedlicher Energieträger genutzt werden. Er ist überzeugt, dass der Weg zu Smart Grids - also intelligenten Stromnetzen -vorgezeichnet ist. Die Gefahr von Blackouts wird dadurch seiner Meinung nach sinken.

Die Vernetzung und die Entwicklung hin zum "Internet der Dinge" seien nicht mehr aufzuhalten und würden viele neue Anwendungen hervorbringen, sagte Hannes Walter vom Kompetenzzentrum evolaris. Beleuchtungen sollten sich etwa nur dann einschalten, wenn eine Straße auch tatsächlich frequentiert wird. Ab 2015 werde jedes Auto Wireless LAN integriert haben, und Abwasserleitungen könnten melden, wenn ein Leck auftritt. Eine große Anzahl an Sensoren existiere bereits, "man denke nur an die Smartphones in unserer Hosentasche", so Walter.

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