AIT: Durststrecken in Sicht für den Neusiedler See

Seen im Klimawandel

Wien (OTS) - In einer EU-weiten Studie untersuchten AIT-ForscherInnen die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf den Neusiedler See. Die Ergebnisse zeigen, dass der größte See Österreichs in Zukunft häufiger mit Wassermangel rechnen muss. Selbst Perioden völliger Austrocknung können nicht ausgeschlossen werden. Vorbeugungs- und Anpassungsmaßnahmen sollten rasch umgesetzt werden.

Seit drei Jahren beschäftigen sich WissenschafterInnen des AIT in einem groß angelegten EU-Projekt mit Klimaauswirkungen auf europäische Binnenseen. Im Vordergrund steht die Frage, wie die globale Erwärmung auf Gewässer wirkt und wie diese damit zurechtkommen. Vor allem der Neusiedler See ist als Ökosystem, Wirtschaftsmotor und Tourismusknotenpunkt durch seine geringe Wassertiefe besonders bedroht.

Trockenjahre sehr wahrscheinlich

Die untersuchten Auswirkungen beziehen realistisch angesetzte Klimaszenarien der nächsten Jahrzehnte ein: höhere Lufttemperaturen und geringfügig verminderte Niederschläge lassen Jahre mit negativer Wasserbilanz häufiger werden. Die ExpertInnen kommen zu dem Schluss, dass der Neusiedler See etwa alle 25 Jahre Perioden mit einem Wasserrückgang von einem Meter gegenüber dem Durchschnitt erleben könnte. Dies würde eine schwere Beeinträchtigung der Nutzung des Sees bedeuten, da sich die Fläche mit einer Wassertiefe von mehr als 1 m um ca. 90 % reduziert. Weniger dramatische Szenarien mit Wasserständen wie zuletzt im Jahr 2003 (ca. 0,5 m unter dem Durchschnitt) könnten alle 3-5 Jahre auftreten.

Bei steigenden Lufttemperaturen erwärmt sich in gleicher Weise das Wasser, was zur schnelleren Verdunstung und Abnahme der Wasserqualität führt. Mit dem Rückgang des Wasserstandes gerät das Ökosystem durch die komplette Austrocknung des Schilfgürtels aus dem Gleichgewicht. Zu erwarten ist, dass auch der Fischbestand unter den Klimaänderungen leiden wird. Ebenso sind Beeinträchtigungen für den Tourismus möglich.

"Wir haben uns mit realistischen Zukunftsszenarien auseinandergesetzt und deren Folgen für den Neusiedler See analysiert. Da ein drastischer Wasserrückgang sowohl die touristische Nutzbarkeit des Sees als auch seine Ökosystem-Funktionen beeinträchtigen wird, war es wichtig, Maßnahmen auszuarbeiten, die Klimaveränderungen mildern und abfangen", sagt Dr. Gerhard Soja, Wissenschafter und Projektleiter am AIT Austrian Institute of Technology im Health & Environment Department.

Maßnahmen rasch setzen

Der Klimawandel wird sich nicht aufhalten lassen, daher wurde speziell in der letzten Phase des Projektes auf die Ausarbeitung der Vorbeugungs- und Anpassungsmaßnahmen Wert gelegt.

"Solche Maßnahmen zeigen auf, wie man mit Klimaveränderungen umgeht, also wie wir unsere Seen an die neuen Umgebungsverhältnisse anpassen und Ökosysteme schützen", so Soja weiter.

Die ForscherInnen konzentrierten sich auf Vorschläge mit hohen Chancen auf wirtschaftliche Umsetzbarkeit. Ein optimiertes Schleusenmanagement, das seit zwei Jahren im Probebetrieb läuft, soll den Wasservorrat als Reserve für Trockenperioden hoch halten. Der Schleusenbetrieb ist wichtig, weil der Neusiedler See seine Wasservorräte fast zur Gänze aus Niederschlägen bezieht. Die Maßnahmen zum Schutz des Sees sollten sich auch auf die Wulka, dem einzigen größeren Zufluss, erstrecken. Für die Fischerei können vorsichtige Beeinflussungen der Artenzusammensetzung und optimiertes Schilfmanagement vorteilhaft sein.

"In unserem Projekt geht es darum aufzuzeigen, was passiert, wenn nichts unternommen wird, aber auch Chancen und Lösungen zu präsentieren, damit es nicht zur Versumpfung oder gar Austrocknung des Sees kommt und das einzigartige Naturjuwel möglichst lange erhalten bleibt", so Soja.

Die wissenschaftlichen Ergebnisse des Gesamtprojekts bilden die Grundlage für die Schaffung geeigneter umweltpolitischer Rahmenbedingungen, um Binnenseen fit für den Klimawandel zu machen. Finanziert durch das Central Europe Programme der EU, wurde auch ein Web-GIS-basiertes Modell für das Management von Seen entwickelt. Es demonstriert die Auswirkungen des Klimawandels und erleichtert die Verbreitung der Vorbeugungsmaßnahmen. Als weitere Studiengebiete des Projektes dienten auch der Plattensee, der Charzykowsie-See in Polen sowie der Gardasee.

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