Experten: Politik hat digitale Hürde noch nicht genommen

Social Media "noch nicht begriffen" - Twitter ist "nur neuer Zugang zu einer alten Community" - Entmystifizierung notwendig

Wien (OTS) - Social Media bietet der Politik ein weites Betätigungsfeld. Noch scheint aber vielfach weder das Wissen, noch die Bereitschaft vorhanden zu sein, um das Potenzial auch tatsächlich auf die Straße zu bringen, erklärten Experten gestern, Donnerstagabend, bei einer Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community in Wien.

"Die Politik hat die neuen Medien noch nicht begriffen. Es geht nicht um Präsenz, sondern um relevante Inhalte. Und die werden kaum angeboten", sagte Daniel Kapp, Strategieberater und langjähriger Ministersprecher. Allerdings müssten die neuen Angebote entmystifiziert werden. Die notwendige Relevanz entstehe derzeit erst durch das Überschwappen auf die klassischen Medien.

Bei den etablierten Massenmedien sei bekannt, wie man etwas adäquat kommunizieren könne: "Es ist klar, wo ich mit meiner Botschaft hingehe", so Kapp. Für Social Media gelte das noch nicht, da gebe es zu wenig Bewusstsein. "Die Twittersphäre darf man beispielsweise nicht für die Welt halten, das ist ein selbstreferenzierendes System. Es bietet nur einen neuen Zugang zu einer alten, bestehenden Community", ist Kapp überzeugt.

Journalisten über Twitter erreichen

Als "Polit-Soziotop, wo jeder jeden kennt" sieht den Kurznachrichtendienst auch Josef Barth, Managing Partner der New-Media-Agentur Pick & Barth und Gründer der Initiative "Transparenzgesetz.at" Allerdings sei Twitter nützlich, "um Themen in den Wahrnehmungshorizont von Journalisten zu bringen". Facebook ist seiner Meinung nach die Pflichtübung, vor allem um die eigene Klientel zu bedienen.

Dabei gehe es bei Social Media nicht nur darum zu informieren, sondern zu mobilisieren. Das gelinge vor allem durch Emotionalisierung. Agenda Setting funktioniere hier verstärkt von unten. Über das Netz gelinge es, viele Menschen auf einen Punkt bzw. ein Thema zu fokussieren. Dadurch entstehe ausreichend Relevanz, so dass Journalisten darauf aufmerksam werden, erklärte Barth.

Community statt Botschaften an alle

"Es geht weniger darum, Botschaften an alle zu verbreiten, sondern eine Community aufzubauen, die an bestimmten Dingen interessiert ist. Im Wahlkampf könnten diese Multiplikatoren sehr nützlich sein", betonte auch Axel Maireder von der Universität Wien. Zur Nutzung dieser Effekte müsse man allerdings einen Kontrollverlust hinnehmen, was aber sehr schwierig zu managen sei - vor allem bei negativen Dynamiken.

Social Media fördere jedenfalls die Durchlässigkeit der zentralen politischen Arena. "Es ist für die Menschen einfacher, Aufmerksamkeit zu bekommen. Denn jeder einzelne entscheidet, ob er etwas interessant findet und teilt oder nicht. Da entsteht Dynamik und das hat eine ganz andere Qualität", so Maireder.

Netzpolitik gewinnt keinen Wahlkampf

Politik im Internet sei besonders in Wahlkampfzeiten immer ein Thema. "Dann erst zu starten, ist meistens zu spät. Und nur mit Netzpolitik gewinnt man keinen Wahlkampf - außer vielleicht die Piraten", ergänzte der Markt- und Meinungsforscher Peter Hajek.

Wenn bei politisch Verantwortlichen die Sprache auf das Thema Social Media komme, heiße es oft: "Das können wir von den Ressourcen her nicht machen." Einer Auslagerung stünde aber der Kontrollverlust entgegen. Da würde gefragt: "Der redet dann für mich? Kann ich das vor einer Veröffentlichung überprüfen?"

Glaubwürdigkeit und Mut zum gläsernen Politiker

"Es geht im Social Media-Bereich nicht darum, die Leute zu überzeugen, sondern zu motivieren. In der politischen Praxis zählt nur integrierte Kommunikation und die muss aus einem Guss kommen und authentisch sein", ergänzte Heimo Lepuschitz, Bundespressesprecher des BZÖ. Bei Politikern im Web zähle nur eines: Glaubwürdigkeit und Mut zum gläsernen Politiker in vielen Lebenslagen.

Auch er ortet eine "Twitter-Blase". Der Kurznachrichtendienst sei in Österreich ein Kreislauf von Leuten, die sich sehr intensiv mit Politik beschäftigen, "aber andere erreicht man dadurch kaum", so Lepuschitz.

Die Plattform

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