Nutzen statt besitzen: Digitales Teilen wird zum Alltag

Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community am "eDay" beleuchtete "Shareconomy" als neues Paradigma - Unternehmen müssen Geschäftsmodelle anpassen

Wien (OTS) - Die CD-Sammlung verstaubt, das Auto bleibt in der Garage, und die Bohrmaschine vereinsamt im Keller. An dieser Situation könnte der Trend zum digitalen Teilen bald einiges ändern. Denn nicht mehr der Besitz, sondern die temporäre Nutzung - siehe Musik-Streaming, Carsharing oder Cloud Computing - rückt in den Vordergrund, erklärten Expertinnen und Experten bei einer Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community gestern, Donnerstagabend, im Rahmen des von der Wirtschaftskammer Österreich veranstalteten "eDay".

"Es ändert sich was. Sowohl bei digitalen Inhalten als auch physischen Gütern und den Möglichkeiten, sich an Projekten zu beteiligen - Stichwort Crowdfunding. Die Ökonomie des Teilens wird zum neuen Paradigma", so Josef Herget vom Excellence Institut -Research & Solutions. Die gesellschaftliche Akzeptanz habe bereits stark zugenommen, das neue Phänomen beschränke sich nicht auf Nischen.

Deshalb müssten sich auch etablierte Unternehmen auf diesen langfristigen Trend einstellen und ihr Geschäftsmodell entsprechend anpassen. "Denn die 'Sharing-Economy' ändert die Art, wie Kunden mit uns interagieren, wie Entscheidungen getroffen werden und wie wir Produkte und Services generieren", sagte Herget. "Aktive Gemeinschaft statt AG" sei das Motto. Dafür müsse es im Betrieb Anreize, Vorbilder, aber auch Regeln geben.

"Bilder von Flickr und nicht mehr vom BIPA"

Nutzungsrechte statt Eigentum und Ressourcenteilung seien im Geschäftsbereich schon lange ein Thema, erläuterte Oliver Krizek vom Softwarespezialisten Navax. Erst durch den jetzt für Endkunden spürbaren Trend erhielten diese Konzepte mehr Aufmerksamkeit. "Musik aus iTunes und nicht mehr von Virgin, Bilder von Flickr und nicht mehr vom BIPA oder DM bzw. Bücher bei Amazon - hoffentlich bleibt es so spannend", sagte Krizek.

Es werde Dinge geben, die man teilen kann, an die man jetzt noch nicht denke. Aber: "Es ist einfach nicht alles teilbar. Wenn bestimmte Unternehmenszahlen veröffentlicht und von den Mitarbeitern falsch interpretiert würden, könnte das für die Firma negative Auswirkungen haben", so Krizek. Tendenziell nehme die Transparenz in den Betrieben allerdings zu. Auch durch die neuen Feedback-Möglichkeiten entstünden unglaubliche Chancen.

Open Innovation wirft Fragen bezüglich Urheberrecht auf
Wenn mehr Leute an der Produktentwicklung beteiligt sind, tauchen automatisch auch rechtliche Fragen - etwa bezüglich des Urheberrechts - auf, verwies Hannes Walter von der Forschungs- und Entwicklungseinrichtung Evolaris auf mögliche Probleme. Andererseits seien Crowdfunding-Portale wie Kickstarter perfekt für die Marktforschung. "Das ist der Traum jedes Unternehmens", sagte Walter.

Neben dem Potenzial des Teilens gebe es möglicherweise aber auch neue, noch unbeachtete Effekte, erklärte Hilda Tellioglu von der Technischen Universität (TU) Wien. Durch die neuen Carsharing-Angebote würden Leute mit dem Auto fahren, die bisher vielleicht die Öffis benutzt hätten. Sie sei zwar von Technologie begeistert, allerdings müsste auch die Diskussion geführt werden, wer das schließlich nutzt und was das für Auswirkungen habe, so Tellioglu.

Außerdem sollten auch Technologien entwickelt werden, die für Ältere zugänglich seien. Da gehe es um soziale Netzwerke - etwa in Krisensituationen oder bei Nachbarschaftshilfe -abseits von Facebook und Co. "Hier steht der Nutzen und nicht der Coolness-Faktor im Vordergrund", erklärte die Expertin. Auch im Unternehmensbereich müsse ein Umdenken einsetzen, will man den Trend zum Teilen nutzen. Hier brauche es Best-Practise-Beispiele, um Ängste zu nehmen.

Ztwl.: Geschäftsmodelle dem Trend zur "Shareconomy" anpassen

Für Unternehmen bieten sich Chancen, bestehende Geschäftsmodelle zu verbessern, etwa durch neue Feedback-Möglichkeiten, oder aber auch neue Vertriebskanäle zu erschließen, so Chris Budgen vom Consulter diamond:dogs. Nur wenige Betriebe hätten ihre bestehenden Geschäftsmodelle aber bisher entsprechend erweitert, um dem Trend der "Shareconomy" Genüge zu tun. "Die betrifft ja nicht nur die Marktsicht auf Dinge, sondern auch interne Prozesse, Arbeitsweisen und Produktentwicklungen", ist Budgen überzeugt. Nachholbedarf sieht er auch bei der Legislative. Hier würde den neuen Modellen kaum Rechnung getragen.

"Die Infrastruktur in hoher Qualität, die Zusammenarbeit erst ermöglicht, ist da", stellte Robert Ludwig vom Systemintegrator NextiraOne fest. Unternehmen, die neue Kommunikationsmedien nutzten, dürften aber die richtige Dosis des digitalen Konsums nicht außer Acht lassen. Beim Teilen sei in manchen Bereichen das Problem vielleicht noch nicht evident genug. Ein Beispiel: Möglicherweise müsse Autofahren noch teurer werden, damit Carsharing stärker genutzt werde.

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