Zukunftsmarkt Österreich: Neue (Fach-) Konferenzen im Schmelztiegel Wien

Das Bonmot "Der Kongress tanzt, aber er geht nicht weiter" eines Kritikers des Wiener Kongresses anno 1815  passt in der heutigen Zeit sicher nicht mehr auf Wien, eher das Gegenteil ist der Fall. Heimlich still und leise – und in diesem Bereich vielleicht etwas zu leise – scheint sich Wien sukzessive zur neuen Innovationsmetropole zu mausern. Alte Konzepte werden in vielen Bereichen verworfen und viele neue entstehen – oft allerdings weitgehend von der Öffentlichkeit unbemerkt – quasi "unter der Motorhaube". Der interessierte Beobachter registriert in den letzten ein, zwei Jahren eine signifikante Zunahme an bemerkenswerten Aktivitäten wie etwa die Konferenz TEDxVienna, heuer (am 22. Oktober) mit dem spannenden Motto „Domino Effekt". Mit der OGD 2011 wurde im Sommer die erste Fachkonferenz zum Thema Open Government Data in Österreich veranstaltet. Ebenso fand das internationale Konferenzformat namens SIME im Frühjahr mit der SIME Vienna auch in Wien ein Zuhause. Vor einiger Zeit die MIT Europe Conference sowie die hochinteressante Enable Konferenz boten und bieten immer wieder Gelegenheiten zum persönlichen interdisziplinären Gedankenaustausch über die Zukunft unserer Gesellschaft und versammeln weltweit führende Wissenschafter und Experten in der beliebten Kongress-Stadt. Die Liste ließe sich durchaus noch fortsetzen – um nur zwei aktuelle Events hervorzuheben seien noch der Internet Summit Austria (am 22. September) sowie die erste deutschsprachige Google Analytics Konferenz (am 29. September) im Schloß Schönbrunn erwähnt.

Trendsetter Österreich – Technologien nutzen

Was schließen wir daraus? Zwei Dinge vorerst: Erstens, speziell in Krisenzeiten ist der Bedarf an Innovationen hoch, insbesondere der an IT-Innovationen. Laut einer aktuellen IT-Trends-Studie der Cap Gemini ist jetzt der Zeitpunkt, „Technologien zu nutzen, um neue Umsatzquellen zu erschließen". Zweitens: „In Österreich, in Wien, speziell zwischen Karlsplatz und Schottentor, gibt es ein ungeheures Potential an Ideen, Materialien und Möglichkeiten", schrieb ich anno 1998 in einem Büchlein, das anlässlich des damaligen ersten österreichischen EU-Vorsitzes zur Frankfurter Buchmesse erschien – Cyberkultur – ist Österreich anders? fragte der Essay.

Ob Österreich – und speziell Wien – als Trendsetter-Standort für Neue Technologien bezeichnet werden kann, wage ich nicht zu beurteilen – auffallend ist allerdings, dass hier immer wieder Neues entsteht, von dem kreative Menschen sich angezogen fühlen. Etwa an der Umsetzung zahlreicher Best Practise-Anwendungen aus dem Bereich semantischer Technologien arbeitet die Firma Semantic Web Company mit Sitz in Wien maßgeblich mit, denn „…Information – und daraus folgend professionelles Informations-Management – ist für die meisten Unternehmen zu einer der wertvollsten Ressourcen geworden", so Geschäftsführer Andreas Blumauer. Er und seine Mitarbeiter beraten große und mittlere Unternehmen auf drei Kontinenten bei der Bereitstellung semantischer Technologien in komplexen Projekten.

Auch hat sich etwa das europaweit führende Micro-Trendforschungsunternehmen TrendONE mit Sitz in Hamburg und Berlin kürzlich in Wien angesiedelt: "…weil wir an den Zukunftsmarkt Österreich als Tor zum aufstrebenden Südosteuropa glauben", so Norbert Hillinger, Direktor der TrendONE Berlin. "Österreich war in einigen Bereichen – etwa im Bereich Mobile – immer schon Trendsetter und wird dies auch in Zukunft bleiben. Durch den Schritt in die österreichische Hauptstadt möchten wir die Beziehung zu unseren Kunden intensivieren – und wo könnte man näher an den Innovationsinitiatoren sein und den Austausch mit bestehenden und neuen Kunden besser pflegen als bei Konferenzen und anderen Branchen-Events?" Das Unternehmensziel der Firma ist es, den Kunden regelmäßig eine umfassende Bestandsaufnahme der aktuellen Entwicklungen im Markt zu liefern und als Inspirationsgeber und Netzwerker zu agieren. Denn, so der Firmengründer und Geschäftsführer Nils Müller: "Die Zukunft kommt nur zu dem, der an sie glaubt"!

In diesem Sinne – mögen die Wiener Kongresse immer weitergehen