Wunderwuzzis oder nur Klischee? Wie die digitale Generation wirklich tickt

Bevor diese plakative Frage beantwortet werden kann, sollten einmal einige Eckpfeiler installiert werden. Wer oder was ist eigentlich diese digitale Generation? Für diese Generation gibt es mehrere Ausdrücke. Am häufigsten ist der Ausdruck „Digital Natives" zu vernehmen. Er wurde von Marc Prensky 2001 geprägt und meint damit Personen, die in einer Zeit aufgewachsen sind, in der Mobiltelefone, der Computer, E-Mails oder auch das Internet bereits verfügbar waren. Diese Generation ist nun in etwa 25 bis 30 Jahre alt, je nachdem wo die schwimmende Grenze tatsächlich verankert wird. Interessant scheint nicht nur die Beantwortung der Frage wie sie wirklich tickt, sondern ob sie tatsächlich anders tickt als ältere Generationen?

GfK Austria hat eine breit angelegte Studie zum Thema Social Networks durchgeführt, einige aktuelle Ergebnisse können bei der Suche nach der Beantwortung der angeführten Fragen behilflich sein. Während in Österreich z.B. die Internetnutzung bei 78% liegt, so ist dies bei den Digital Natives anders. Sie sind nahezu zu 100% verbunden und nutzen das Internet auch deutlich öfter auf Ihrem Mobiltelefon (36% fast tägliche und tägliche Nutzung). 81% der 12 bis 29 Jährigen haben ein Facebook Profil – bei den 30 bis 39 Jährigen sind es nur 62%. Je älter die Gruppe desto geringer ist auch der Anteil der Facebook-Nutzer. Die Nutzung von Social Networks über das Mobiltelefon liegt bei der digitalen Generation bei 27% (fast) täglichen Zugriffen und sinkt bei den 30 bis 39 Jährigen auf 13% ab. Sie sind also mobiler und tendenziell „always connected". Das Thema Vernetzung ist für 52% der 20 bis 29 Jährigen sehr oder eher wichtig (29% bei den 30-39 Jährigen).  Die digitalen Eingeborenen sind daran gewohnt in Communities zu leben und Informationen zu teilen. Was da geteilt wird ist allerdings sehr vielfältig und reicht von der Information, dass man gerade mit dem Hund vor die Tür geht bis zu echten Hilfestellungen bei Problemen, wo man nicht mehr alleine weiter kommt.

Die Informationsgewohnheiten sind ebenfalls anders als die der älteren Generationen. Digital Natives erachten das Internet als das wichtigste Informationsmedium zur Wissensvermittlung (rund 86% sind dieser Meinung, im Österreichschnitt 74%). Das Internet ist auch das hauptsächlich genutzte Medium für tagesaktuelle Informationen. Für über 30 Jährige ist dies immer noch TV. Digital Natives fühlen sich zudem besser informiert über Social Networks, über Online Spiele und über Copyright und intellektuelles Eigentum.

Diese Ergebnisse zeigen also, dass der Umgang mit dem Internet und damit das Leben in einer vernetzten Welt und deren Communities bei Digital Natives intensiver ist. Zudem sind die Digital Natives, was Informationen betrifft, um einiges freigiebiger als ältere Semester. Der Umgang ist ungezwungener und selbstverständlicher. Es herrscht eine Art „Open Source Mentalität" vor. In virtuellen Welten ist jeder so viel wert wie er zu einem Problem oder zu einem Thema beitragen kann. Das bedeutet, dass formale Hierarchien verschwinden. Rein der Beitrag zählt, unabhängig davon von wem er stammt. Die Organisationen in denen wir heute arbeiten sind allerdings anders strukturiert, und wollte ein Unternehmen sich an diese neue Mentalität anpassen, so läge in den meisten Fällen noch ein weiter Weg vor ihm.

Dass das Wissen der Masse Zusatznutzen stiftet, ist bereits bewiesen. Crowdsourcing oder Open Innovation, wie diese Art der Entwicklungs- und Zusammenarbeit genannt wird, hat erfolgreiche Produkte hervor gebracht. Denken Sie nur an den Fiat 500, eines der Musterbeispiele wie die Kreativität der Masse Produkte tatsächlich entscheidend mit beeinflusst hat.

Unternehmen müssen allerdings nicht nur bei ihren Produkten umdenken. Unternehmen, die Digital Natives als attraktiver Arbeitgeber ansprechen wollen, müssen ebenfalls andere Wege einschlagen als noch vor ein paar Jahren. Eine Ansprache sollte dort stattfinden, wo sich die potenziellen Angestellten aufhalten. Social Networks bieten hier ein großes Potenzial, das sinnvoller Weise genutzt werden sollte ohne große und falsche Versprechungen zu machen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Digitale Generation tatsächlich etwas anders tickt. Man muss allerdings beachten, dass es sich dabei um Wahrscheinlichkeiten handelt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein nach 1985 geborener Mensch, egal welchen Geschlechts, anders kommuniziert als ältere Menschen ist vergleichsweise höher. Das bedeutet nicht, dass Digital Natives alle gleich funktionieren und die Digital Immigrants (also die älteren Semester) keine Ahnung von Internet, Handy und Co haben. Digital Natives  sind auch genauso wenig Wunderwuzzis wie die Generationen zuvor Wunderwuzzis waren. Es gibt so wie immer talentiertere und weniger talentierte unter ihnen. Zudem liegt das, was einen Wunderwuzzi ausmacht immer im Auge des Betrachters. Vielleicht bewundern ja Digital Natives die Erfahrung der Digital Immigrants und titulieren diese deshalb als Wunderwuzzis.