WER WILL NOCH (NFC)CHIPS?

Vom Campus…
über die Digital-Marketing-Praxis in die Chefetage. Als Young Professional muss ich mich permanent fragen: Wie leben die Menschen in der Welt von morgen? Wie stark werden sich z. B. ethnische oder demografische Veränderungen auf die Technologiebedürfnisse der Menschen auswirken? In diesem Zusammenhang gilt es, das Potential neuer Technologien im Alltag abzuschätzen bzw. auszuschöpfen.

Als Frau hat mich die technische Seite noch nie abgeschreckt. Im Gegenteil. Aufgrund dieser gängigen gesellschaftlichen Definition (Technik = Männerdomäne) ist es für mich besonders interessant in diesen Bereich einzudringen. So habe ich mich bereits zu Studienzeiten mit neuen Technologien wie RFID (Radio Frequency Identification) und NFC (Near Field Communication) beschäftigt.

NFC ist eine Erweiterung bzw. Spezialisierung der RFID Technik, die sich auf kurze Strecken (max. 10 mm) und sichere Datenübertragung spezialisiert hat. Wie sich herausgestellt hat, ist im Unterschied zu RFID das NFC-Verfahren schneller (Energieübertragung), weniger raumzehrend (Antennengröße) und vor allem weniger störend (Feldstärke der Energieübertragung). NFC kann mit aktiven Geräten als Zugriffsschlüssel an Terminals auf Inhalte und für Services verwendet werden, wie beispielsweise bargeldlose Zahlungen, papierlose Eintrittskarten, Smart Posters/Wallpapers, Online-Streaming oder Downloads, Zugangskontrolle, Couponing, Steuerung des Smartphones durch im Handel verfügbare NFC-Tags.

Intelligente Plakate wurden bisher dafür genutzt, dem Konsumenten mittels NFC-Technologie einen Filmtrailer oder zusätzliche Informationen auf sein NFC-Handy zu spielen. In Zukunft – und das ist in Asien schon Realität – können diese Poster zur Erstellung der Einkaufsliste und dem gleichzeitigen Einkauf dienen. Dies hat den Vorteil, dass die ausgesuchten Waren fertig gepackt und bezahlt entweder schon im Supermarkt oder zu Hause vor der Tür warten. Dies bringt natürlich erhebliche Zeitvorteile und stärkt die Kundenbindung.

Es zeigt sich, dass NFC auf der Verkaufsfläche große Zuwächse bei der Erhebung von Kundendaten verspricht. Besonders in Kombination mit Kundenkarten/Chipkarten und einem NFC-Smartphone kann man persönliche Daten gewinnen, die dann für die Marketinganalyse zur Verfügung stehen. Insbesondere Entscheidungsfindungsprozesse und Bewegungsabläufe von Kunden im Geschäft lassen sich mit NFC eindeutiger nachvollziehen, womit eine neue Dimension der Verkaufsraumgestaltung und der Messung von Werbewirksamkeit denkbar wird. Eine detaillierte psychographische Segmentanalyse kann genutzt werden.

Spannend: Die Schnittstelle Offline – Online
Ich bin eine große Bewunderin der neuen Technologien und ihrer Anwendung im Bereich Marketing vor allem, wenn das Ergebnis eine neuartige und bemerkenswerte Benutzerfreundlichkeit mit sich bringt.
Immer mehr Services, Geräte und Produkte positionieren sich an der Schnittstelle zwischen online und offline, so auch diese Technologie. Die Verzahnung der digitalen Welt mit unseren täglichen Abläufen ist ein großer Trend der nächsten Jahre. Mit dieser Technologie kann interagiert werden und die Online- mit der Offline-Welt verbunden werden. “Getting online, Getting together online, Getting together offline” – mit diesem Dreisatz fasste Brain Chesky, der Gründer des beliebten Unterkunftsvermittlers Airbnb auf der GigaOm-Roadmap-Konfernz in San Francisco die wichtigsten Internettrends der letzten Zeit und kommenden Jahre zusammen.

Gerade im Multi-Channelling ist die NFC-Technologie ein Schlüssel um unterschiedliche Vertriebswege und auch verschiedene Kunden individuell anzusprechen. Die Technologie kann auf der einen Seite die klassische Kundenkarte ersetzen, da die Kundennummer über das Handy mittels NFC transportiert werden kann und auf der anderen Seite dem innovativen „Shopper“ Zusatzangebote und andere für Ihn relevante Informationen bieten.

Einzelhandel:
Sie gehen shoppen und sehen eine Jacke, die Sie unbedingt haben wollen – aber wie so oft ist sie nicht mehr in Ihrer Größe vorhanden! Sie nehmen Ihr NFC-Mobiltelefon, streifen es übers Etikett und bekommen die Information auf Ihr Smartphone, dass die gleiche Jacke in Ihrer Größe in der Filiale ums Eck lagernd ist.

Loyalty:
Das NFC-Handy kann zum Beispiel die Bonuskarte ablösen oder ergänzen, die man von den gängigen Loyalitätsprogrammen wie Payback oder Deutschlandcard erhält. Damit würde man Punkte in Ladengeschäften sammeln, indem man statt der Bonuskarte sein NFC-fähiges Mobiltelefon beim Zahlungsvorgang an ein entsprechendes Terminal im Geschäft hält.
Umgekehrt lässt sich NFC auch für die Einlösung der gesammelten Punkte nutzen. Die auf dem NFC Handy gesammelten Punkte könnten dann einfach nach Auswahl einer Prämie wieder abgezogen werden.
Oder man erhält einen elektronischen Gutschein auf das Handy, den man dann im stationären Handel wieder einlösen kann. Diese Lösung bietet sich nicht nur für Bonusprogramme an, auch die rasch wachsenden Anbieter von separaten Gutscheindiensten wie Groupon könnten die Gutscheine Ihrer Kunden und Kooperationspartner künftig einfach auf das NFC Mobiltelefon überspielen.

Social:
Aufsehen erregte eine Aktion von Renault. Anfang des Jahres 2011 nahm Renault in der Amsterdamer Auto Show in den Niederlanden teil. Besucher an ihrem Stand konnten in einem ganz ungewöhnliche Art und Weise interagieren und ihre Online-und Offline-Welt verbinden. Die Social-Sharing-Erfahrung funktioniert mit einer Plastikkarte: http://tinyurl.com/4xgm8x8

Mit einem Best-Practice Beispiel  schlug Coca Cola bei der Summer-Village-Initiative in Israel Wellen: Die Organisatoren fanden eine große und unterhaltsame Art und Weise um  Teenagern ihre Erfahrungen der realen Welt mit ihren Freunden online zu teilen. Und all dies mit Hilfe eines Armbandes, einem Chip und natürlich Facebook. Hier das Video: http://tinyurl.com/d7se5g8

Wie die Beispiele zeigen, sind NFC und RDIF eine der besten Möglichkeiten um eine hoch differenzierte Multichannel-Marketing Strategie zu schaffen. Kunden kommunizieren über ein Unternehmen mit  Freunden über Produkte oder Dienstleistungen über mehrere Kanäle gleichzeitig.

Ausblick:
Am 26. Februar 2013 kündigte MasterCard auf der wichtigsten Mobilfunkmesse in Barcelona eine neue digitale Brieftasche – den MasterPass – an. Wird sich das Bezahlen im Alltag radikal verändern? Wird man in Zukunft mit einem NFC-Smartphone bezahlen? In Australien und Kanada soll MasterPass ab Ende März 2013 verfügbar sein, in den USA und dem Vereinigten Königreich im Laufe des Frühjahrs beziehungsweise Sommers. Weitere Märkte sollen folgen. Wann genau Österreich und Deutschland an der Reihe sein wird ist noch unklar.

Google führte mit Android 4.0 (Ice Cream Sandwich) und dem Galaxy Nexus eine weitere Möglichkeit der Kommunikation zwischen Android-Geräten ein: Android Beam – eine Möglichkeit, Geräte per NFC zu koppeln und so unter anderem auch Dateitransfers zu ermöglichen. Diese Technik konnte mit Bordmitteln bislang nur wenige Dateitypen übertragen, jetzt ermöglicht die App File Beam den Versand eines jeden Dateityps.

Durch die Verbindung der realen mit der virtuellen Welt ergeben sich Synergien deren Ausmaß heute noch gar nicht wirklich greifbar sind. Wichtig ist für alle die wettbewerbsfähig, innovativ und am Puls der Zeit sein wollen, dass sie die Technologien für ihre Vermarktung und den Verkauf nutzen. Der Vorteil der Technologie liegt ganz klar beim Kunden. Dies muss kommuniziert und auch so im Handel für den Kunden ersichtlich sein. Raschere Vorgänge beim Bezahlen und bessere, zielgruppengerechte Aktionen ersparen erfolglose Postwurfsendungen und teure Werbeminuten! Daraus resultiert, dass das Geld anders und vor allem wieder im Sinne des Konsumenten verwendet werden kann und soll.

Fazit:
Die Herausforderung besteht darin das Technologie-Interesse bestmöglich in die Entwicklung von Marketingstrategien einzubringen und Offline mit Online – und im nächsten Schritt mit Social so verbinden, dass nicht nur eine Marke zum Leben erwacht, sondern auch das Leben im Alltag einfach unkomplizierter wird!