Über Nicht-Nutzlose Dinge

In der Kunst ist die Frage nach Sinnhaftigkeit zwecklos. Die Diskussion nach dem Sinn oder Unsinn von einzelnen Kunstproduktionen ist wohl ebenso aussichtslos wie die Frage was denn Kunst eigentlich ist. Im Gegensatz dazu stehen technische Produkte, die auf den Verbrauchermärkten mehr oder weniger pragmatische Lösungen für simple Probleme bieten – GPS-Geräte helfen bei der Navigation, Uhren messen den Puls und Smart-Phones vereinen zahlreiche Funktionen um nur einige Beispiele zu nennen.

Im Zeitalter digitaler Kommunikation, digitaler Pro- und Reproduktion und der Allgegenwart medialer Inhalte, ist die Auseinandersetzung mit neuen Technologien schon längst auch relevantes Thema in der Kunstproduktion. Arbeiten aus dem noch relativ jungen Feld der Medienkunst verbinden Kunst und Technologie, hinterfragen häufig kritisch was für Auswirkungen Medientechnologien auf gesellschaftliche Strukturen haben, erweitern und spielen jedoch auch mit den Grenzen zeitgenössischem Kunstverständnisses.

So ist es nicht verwunderlich, dass an den Berührungspunkten zwischen Kunst und Technologie unter anderem neuartige Produkte entstehen, dessen Nutzen sich nicht auf den ersten Blick erschließen lässt. Chindogus, wie der japanische Erfinder Kenji Kawakami diese "un-useless objects" also nicht- nutzlose Objekte nennt, sind Alltagsgegenstände, die keinen praktischen Nutzen haben außer den Betrachter vor die Frage zu stellen für was er diese Objekt nutzen könnte ohne es tatsächlich sinnvoll gebrauchen zu können. In The Ten Tenets of Chindogu schreibt Kawakami, dass Jedes Chindogu nutzlos ist, jedoch nicht jedes nutzlose Objekt ein Chindogu.

Novmichi Tosa, der Gründer der Maywa Electric Company (Maywa Denki) produziert mit seiner Kunst- Firma ausschließlich kommerzielle Kunstprodukte, die nicht unbedingt alltagstauglich sind und in einer spielerischen Weise auch aktuelle Aspekte, wie zum Beispiel die Beziehung zwischen Technologie und Kultur thematisieren. Das erste Produkt der Maywa Denki war der Na-Cord (1994), ein Stromkabel in Form eines Fischskeletts mit spitzen Gräten auf das es zu treten schmerzt und daran erinnert wie gefährlich der Strom ist, der durch das Kabel fließt.

Der Begriff Playfulness beschreibt einerseits einen spielerischen Ansatz in der Motivation digitale und elektronische Kunst zu produzieren aber auch den Spaß und die Freude an den fertigen technisch- künstlerischen Resultaten wie sie zum Beispiel in den Modding und DIY (Do It Yourself) Szenen zu finden sind. Dabei bleiben Projekte und Produkte, die aus diesen Prozessen entstehen, nicht nur in den Ateliers und Werkstätten der Künstler, sondern werden immer häufiger für Interventionen im urbanen öffentlichen Raum genutzt.  

In Anlehnung an Street Art gestalten Künstler elektronische Devices, die speziell für den öffentlichen Raum gebaut werden. Kostengünstig und häufig aus alten elektronischen Geräten gebaut, werden zum Beispiel Sound Tossing Tools im öffentlichen Raum positioniert – kleine Geräte die über Solarzellen oder Batterie mit Strom versorgt werden und ungewöhnliche Geräusche von sich geben.

Mit dem Untertitel City as Interface findet vom 21. September bis zum 1. Oktober 2011 zum vierten Mal das Festival Coded Cultures in Wien statt und stellt neue Kunstformen an der Schnittstelle von Kultur, Wissenschaft, Technologie und deren Auswirkungen auf Gesellschaft dar. Im Zentrum stehen Bereiche aus Computerkunst, Medienkulturen und daraus entstehende neue Kunstfelder und Kulturformen. Die Stadt wird als Aktionszentrum einer Vielzahl neuer künstlerischer Vernetzungen, Abstraktionen und Interventionen im urbanen Raum verstanden. Im Rahmen des Festivals finden Ausstellungen, Präsentationen, Workshops und Performances statt.

Links:
Kenji Kawakami – http://digital–underground.tripod.com/id5.htm
Maywa Denki – http://www.maywadenki.com/english/00main_e_content.html
Na-Cord – http://www.maywadenki.com/naki/introduction.html
Sound Tossing – http://www.soundtossing.com//
Coded Cultures – http://www.codedcultures.net