TEDxKlagenfurt: „Powering Up“ für ein neues Image – Efficient, effective, smart. Kalifornien und EU in einem Boot

Ein Interview von Marion Fugléwicz-Bren

Kärnten. Ein Land, das schon bei seiner Namensnennung Emotionen auslöst. Schlagworte wie “Korruption”, “Banken-Desaster” und Klischees wie “Urlaub bei Freunden” brauchen endlich neue Agenda-Themen – der neue Tourismus-Slogan “Lust am Leben” erhält nun eine reelle Chance, mit innovativen Inhalten gefüllt zu werden: Etwa wenn Konferenzen wie die aus Kalifornien stammende TED- Konferenz (TED steht für Technology, Entertainment, Design) mit Weltformat und Top-Speakern sich in Kärnten etabliert. Zu diesem Event werden – mittlerweile überall auf der Welt – die smartesten Wissenschaftler, Künstler und Entwickler eingeladen, um dort ihre Ideen zu präsentieren, die sich vor allem im Internet wie Lauffeuer verbreiten.

Dass Kärnten mehr zu bieten hat als Naturparadies, politisch-wirtschaftliche „Skandale“ und Seitenblicke-Gesellschaft, könnte sich nun trefflich beweisen lassen: Ein Team aus jungen, engagierten und weltoffenen Jungakademikern schmiedet an neuen Plänen, damit das oftmals ambivalent beurteilte neunte Bundesland zum attraktiven Arbeitsumfeld für die Zukunft wird.

Marion Fugléwicz-Bren: Lieber Marko, liebe TEDx-sters. Ihr seid ein sechsköpfiges Team mit verschiedenen Ausbildungen und Interessen. Was ist Eure Motivation, Euch großteils ehrenamtlich und neben dem Studium mit der Organisation einer TEDx-Konferenz zu beschäftigen?

Marko Haschej: Das stimmt, die meisten arbeiten ehrenamtlich für die TEDx, ich darf das zum Glück hauptberuflich tun, dank meiner Tätigkeit beim Slowenischen Wirtschaftsverband Kärnten / Slovenska gospodarska zveza (SGZ). Die Motivation wird jedoch dieselbe sein. Wir wollen zeigen, dass Kärnten mehr als nur Berge, Seen und das GTI-Treffen zu bieten hat. Kärnten hat in unseren Augen sehr viel Potenzial, die TEDx ist unser Ansatz, dieses Potenzial kärnten- und österreichweit aufzuzeigen. Ich bin erst seit einigen Monaten wieder in Kärnten (davor beruflich in San Francisco und Wien, Anm.) – und überrascht über die aufstrebende StartUp- Szene und positive Entwicklung hier. In dieser kurzen Zeit habe ich viele innovative Personen und Projekte kennengelernt. Die TEDx soll nun unser Beitrag für ein „Kärnten Tomorrow“ sein.

MFB: Kärnten ist nicht nur eine beliebte Tourismusdestination – von den Medien im In- und Ausland wurde das Bundesland in den letzten Jahren nicht gerade verwöhnt; das Image hat durch die sattsam bekannten politischen und wirtschaftlichen Probleme sehr gelitten. Könnte die TEDx-Konferenz mit den Image-Labels Innovation, Offenheit, neue Technologien ein neues Licht auf ein „neues“ Kärnten werfen?

MH: Das stimmt, man wurde in Wien oft belächelt, wenn man als Kärntner oder Kärntnerin seine Herkunft erwähnte. Der Imageschaden aus der Politik der letzten Jahre ist enorm, auch wenn das manche Kärntner und Kärntnerinnen nicht wahr haben wollen. Umso mehr motiviert uns das, Kärnten in ein besseres Licht zu rücken. Man merkt es in den Gesprächen, bei den Menschen auf der Straße, beim Ausgehen oder wo immer – dass sich die Stimmung seit Anfang März verbessert hat. Kärntens Bevölkerung tritt nun wieder mit einem stärkeren Selbstbewusstsein auf. Ich bin überzeugt davon, dass eine TEDx in Kärnten – eine Konferenz mit Weltformat und internationalen Speakern – dieses neue Selbstbewusstsein weiter stärken und das Image des Landes weiter verbessern kann.

MFB: (Wie) kann man Top-ausgebildete und weltoffene junge Kärntner davon abhalten, in andere Länder zu gehen, um dort Karrieren zu machen, die hier vielleicht nicht möglich wären?

MH: Das wird nur sehr schwer möglich sein. Man kann und darf niemanden daran hindern, Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Jedoch ist die Folge davon meist ein Brain Drain im Land. Kärntner und Kärntnerinnen, die in Wien oder Graz studieren oder Auslandsemester oder -praktika absolvieren, kehren in der aktuellen Situation selten nach Kärnten, beziehungsweise Klagenfurt zurück. Das Land muss sich in Zukunft darauf konzentrieren, ein attraktives Arbeitsumfeld zu schaffen. Zusätzlich, so denke ich, muss Kärnten eine Nische finden und sich in diesem Bereich spezialisieren. Ein mögliches Thema – neben vielen anderen – wäre meiner Ansicht nach der Bereich “Erneuerbare Energien”. Attraktive Arbeitsbedingungen und ein spannendes Kernthema gepaart mit der einmaligen Lebensqualität in Kärnten könnten “weltoffene” und hochqualifizierte Bürger und Bürgerinnen zum Bleiben – beziehungsweise zur Rückkehr bewegen und vielleicht sogar neue Arbeitskräfte nach Kärnten locken.

MFB: Das Motto der ersten TEDxKlagenfurt lautet „Powering Up“, es geht um erneuerbare Energien und um Energie im weitesten Sinne. Warum dieses Thema?

MH: Uns allen liegt das Thema Umwelt sehr am Herzen. Kärnten hat außerdem im Bereich Erneuerbare Energien großes Potenzial. Es gibt bereits einige Unternehmen, die sich mit “grüner Energie” in Kärnten beschäftigen. Wir hoffen, mit der Konferenz diesen Unternehmen neue Ansätze und Ideen liefern zu können und eventuell auch andere Besucher für neue Projekte zu inspirieren. TEDxKlagenfurt 2013 wird außerdem aus Mitteln des EU-Projektes “Efficient Effective Smart”, das Erneuerbare Energien zum Inhalt hat, sowie aus Landesmitteln des KWF (Kärntner Wirtschaftsförderungs Fonds) finanziert. Das erleichtert uns die Umsetzung der Konferenz. Bei der TEDxKlagenfurt wird es aber nicht ausschließlich um erneuerbare Energien gehen. TED steht ja für Technology, Entertainment and Design und um dem Format gerecht zu werden, möchten wir verschiedenste Ansätze und Blickwinkel zum Thema Energie liefern. Florian Brody aus San Francisco wird beispielsweise einen eher philosophischen Vortrag halten, (Tipp: „Philosophie legt die Steine in den Weg, die es interessant machen, den Weg zu gehen“ in „Die Philosophen kommen“), Dejan Štemberger aus Ljubljana wird einen musikalischen Beitrag liefern, Jesse Marsh aus Palermo will den Begriff “Erneuerbare Energien” überdenken, Tia Kansara aus London in und Nadya Zhexembayeva aus Bled werden das Thema Nachhaltigkeit diskutieren, die Kärntnerin Jana Revedin wird ein soziales Thema vorstellen. In Summe sind zehn bis zwölf Talks geplant.

MFB: Mit dem Schloss Maria Loretto habt Ihr eine wunderschöne Location am Wörthersee gefunden – wie darf man sich das Ambiente vorstellen? Da fügt sich kulturelles Erbe zu State-of-the-Art Technologies – ganz im Sinne des ursprünglichen TED-Spirits der aus Kalifornien kommt…

MH: Die Location wurde ganz bewusst gewählt. Das wunderschöne Ambiente und der kulturelle Wert des Schlosses gepaart mit der Schönheit des Wörthersees im Herbst und den angesprochenen neuen Technologien sollen der Konferenz den besonderen Touch verleihen. Bei TED und TEDx geht es nicht nur um die Vorträge, Speaker oder besprochenen Themen. Das Gesamterlebnis während der Veranstaltung ist ein entscheidender Punkt und Erfolgsfaktor der Konferenz. Und dazu zählt auch die Location, die in unserem Fall phänomenal ist – worüber wir sehr froh sind. Die Besucher können sich jedoch noch auf weitere Specials freuen, wobei ich noch nicht alles verraten will… J

MFB: Warum sind gerade die TEDx-Konferenzen so ungemein beliebt – vor allem bei jungen Menschen? Viele Konferenzveranstalter könnten wahrhaft froh sein, wenn sie nur ansatzweise so beliebt wären…

MH: Ich denke, dass gerade junge Menschen nach Inspiration und neuen Möglichkeiten suchen. Ich will nicht sagen, dass ältere das nicht tun. Es ist nur eine Vermutung, aber ich glaube, dass die Offenheit für neue Ideen, neue Lösungsansätze, Entrepreneurship und ähnliche Dinge bei jüngeren Menschen allgemein etwas größer ist und diese Gruppe daher hungriger nach Inspiration ist. Ältere Personen sind meist erfolgreicher in ihrem Beruf, haben eine Familie, sind allgemein zufrieden mit ihrer Lebenssituation und streben aus diesen Gründen weniger nach Veränderung. TED bietet jedenfalls ein tolles, funktionierendes Konferenzformat. Es werden interessante, internationale Themen, Ideen und Projekte auf eine äußerst attraktive Art und Weise präsentiert. Wie schon vorher angesprochen, das Gesamterlebnis ist entscheidend. TED ist hierbei sehr genau und gibt genaue Regeln vor um dieses Erlebnis für die Besucher zu ermöglichen.

MFB: Vielleicht ist es ja noch zu früh, aber wisst Ihr schon, wie es mit der TEDxKlagenfurt weitergehen soll? Werden etwa – wie bei anderen TEDx-Konferenzen – eine Reihe zusätzlicher Events entstehen?

MH: Zunächst einmal müssen wir die erste TEDx in Klagenfurt erfolgreich über die Bühne bringen. Wir sind uns jedoch einig, dass das nicht die letzte bleiben soll. In unserem kleinen Land Österreich gibt es heuer mittlerweile acht TEDx Konferenzen und man muss aufpassen, dass es zu keinem Überangebot kommt.
Wir werden abwarten wie sich das Projekt entwickelt und dann weitere Schritte überlegen. Grundsätzlich bin ich aber dafür, dass man lieber eine Sache perfekt macht, als mehrere mit Abstrichen.

MFB: Was liegt Euch noch am Herzen?

MH: Wir hoffen, dass wir heuer mit dieser Konferenz in Kärnten ein Zeichen setzen können und freuen uns auf tolle Talks und Besucher. Da es ein limitiertes Kartenkontingent gibt, sollten Interessierte schnell sein. Der Vorverkauf startet am 1. Sept. 2013 um 20:00. Infos dazu findet man auf www.tedxklagenfurt.com. Wir sind auch immer wieder auf freiwillige Helfer und Sponsoren angewiesen. Falls Interesse an einer Zusammenarbeit besteht, kann man uns unter info@tedxklagenfurt.com kontaktieren. Auch Empfehlungen für Speaker, wenn auch „nur“ fürs nächste Jahr – sind herzlich willkommen.