Schreckgespenst Smart Metering: Eine längst überfällige Technologie zieht ein – sachliche Debatte statt Panikmache

Der Stromzähler ist ein Messgerät zur Erfassung gelieferter und genutzter elektrischer Energie beim Kunden. Die noch heute eingesetzte Technologie der sogenannten Ferraris-Zähler ist bereits seit 100 Jahren im Einsatz und somit inzwischen ziemlich veraltert. Die Mehrzahl der Konsumenten zahlt nicht für den tatsächlichen Strom- und Gasverbrauch, sondern es wird auf Basis einer Hochrechnung des Netzbetreibers ein Schätzwert verrechnet und nach etwa drei Jahren aufgrund des tatsächlichen Verbrauchs nach verrechnet oder eine Gutschrift erstellt. Eine Situation, an die sich die Konsumenten in Ermangelung anderer Alternativen gewöhnt haben, die in allen anderen Lebensbereichen praktisch aber undenkbar wäre. Dass diese verspätete Information wenig geeignet ist, den bewussten verantwortlichen Umgang mit Energie zu fördern, liegt auf der Hand. Man stelle sich vor, wie groß das Bewusstsein über den Benzinverbrauch wäre, würde man laufend A-Conto Zahlungen leisten und nur alle drei Jahre den tatsächlichen Verbrauch erfahren.

Eine Weiterentwicklung im Bereich des Zählerwesens ist somit längst überfällig, doch sind diese Zähler von der Technologie in Wahrheit weder besonders neu oder innovativ, sondern erstmals so preiswert, dass an einen flächendeckenden Einsatz gedacht werden kann. Die Entwicklung wurde durch die laufende Kostensenkung bei der Kommunikations- und Computertechnologie möglich. Im Gegensatz zum rein analogen Ferrariszähler, besitzt der Smart Meter keine mechanischen Teile mehr und basiert vollständig auf Halbleiter- bzw. Kommunikationstechnologien. Die technische Komplexität dieser Zähler ist aber nur ein Bruchteil jener eines einfachen Mobiltelefons.

Die Funktionen eines Smart Meters sind im Grunde somit weniger spektakulär als angenommen. Sie messen den Strom- und in Zukunft auch den Gasverbrauch laufend, speichern diesen im Gerät und übertragen diesen Verbrauch in gewissen Zeitintervallen – in Österreich sind dies alle 24 Stunden – an den Netzbetreiber. Dabei wird der Verbrauch jeder 1/4 Stunde aufaddiert und nur dieser ¼ Stundenwert gespeichert und übertragen. Diese Werte muss der Stromnetzbetreiber dem Konsumenten kostenlos über das Internet (oder auf ausdrücklichen Wunsch auch auf Papier) zugänglich machen. Der Lieferant muss den Kunden monatlich darüber informieren, wie viel er jeweils verbraucht hat. Auf Wunsch des Kunden gibt es auch die Möglichkeit, den Verbrauch in kürzeren Intervallen auf eine Anzeige im Haushalt oder auf einen eigenen PC zu übertragen.

Doch wie bei jeder Neuerung ist auch die Einführung von Smart Metering von Diskussionen über Sinnhaftigkeit und Kosten, Datenschutz und Sicherheit begleitet. Und es wäre nicht Österreich, wenn es nicht auch zahlreiche Kassandras gäbe, die alle denkmöglichen und auch die nicht wirklich möglichen Katastrophenszenarien vorhersagen, die durch die Einführung von neuen Stromzählern „sicher eintreten" werden. Wir sind aber davon überzeugt, dass Smart Metering für die Kunden und Netzbetreiber weit mehr Vorteile als Kosten bringt, und dass die Risiken bei gut geplanter Einführung und professionellem Betrieb weitaus geringer sind als vielfach kolportiert und gut beherrscht werden können.