Kleine Historie der IT-Industrie – eine persönliche Perspektive

1980 sah ich den ersten IBM PC bei mir zu Hause, weil ein Freund des Hauses uns diesen mitbrachte. Seitdem haben mich Computer und alles was „dazugehört“ nicht mehr losgelassen. Als ich dann in einem Großbetrieb mit den inzwischen legendären Wang-Computersystemen zu tun hatte und erstmals Textnachrichten auf diesen ewiggrünen Bildschirmen sehen konnte, die in „Echtzeit“ über eine Standleitung in die USA transferiert werden konnten, da waren Atari und Amstrad und Commodore noch nicht vergessen. Es war mir trotzdem klar, dass hier ein enormes Potential vorhanden war. In wirtschaftlicher und in sozio-ökonomischer Hinsicht. Doch „damals“ hätten wohl erst wenige von einer IT-Industrie gesprochen. Die Hersteller und Ersteller hatten kaum Wirkung auf breiter Ebene, im wissenschaftlichen und militärischem Bereich natürlich, aber die meisten Politiker packten die Computer in einen Pauschaltopf „Technologie“. Science Fiction Autoren und Hollywood waren schon weiter, aber da war wohl mehr Fiction als Facts dabei. Noch 1998 gab es in Deutschland außerhalb des Informatikstudiums kaum zertifizierte Nachweise der Kompetenz in der „Elektronischen Datenverarbeitung (EDV)“. Auch die Berufsbilder waren wenige, kaum ausdifferenziert.Während also die Ausbildungswelt langsam auch auf der praktischen Ebene sich zu entfalten begann und die Computer in jedem Haushalt standen und alle von 400 Megaherz Prozessoren träumten schmückten sich mehr und mehr Individuen mit den Insignien des Computerspezialisten. James-Bond-Bösewichter allein reichten da nicht, um die grundsätzliche Faszination mit dieser Technologie zu erklären….

Zeitensprung: Vom 56kb Modem (erinnern Sie sich noch ans Anwählgeräusch?) zu Broadband, von statischen HTML-Seiten zu multiplen und vielseitigen Formen der Interaktiväten, von Dos zu C++, zu Delphi, zu Python, zu .net… – es ist eine Industrie entstanden, die 2007 1.7 Millionen Menschen in den USA beschäftigte (OECD Bericht Database for Structural Analysis, ed. 2008), die 261 Milliarden US Dollar zum BSP beiträgt. In 2008 wurden in den IT-Bereich (die IT-Industrie) 368,5 Miliarden US Dollar investiert (Quelle: IDC, US Black Book Q2 2009 ). Und trotzdem ist die IT-Industrie, sind die Movers und Shakers, wenn man mal von Bill G. absieht relativ unbekannt, erstreckt sich Wissen, das über eine Befähigung, einen Ipad oder eine Playstation zu bedienen kaum über eine noch schmale teils generationsbedingte Minderheit hinausgeht. Ernüchternd, wenn man die Zahlen der EU-Kommission betrachtet, was die ITKompetenz betrifft. Führend mit 22, 5 Prozent der Bevölkerung zwischen 16 und 74 Jahren (Quelle Eurostat TSDC456 2010) ist Schweden. Diese können einen Ordner anlegen oder verschieben; Dokumente bearbeiten, Basis-Rechenfunktionen in einem Rechenblatt ausführen; Dateien komprimieren, einen Druckertreiber installieren oder gar Basis-Code (HTML) schreiben. In Österreich 12,7 in Deutschland knapp 16 Prozent.

Als Wirtschaftsfaktor sind wir anerkannt, als Verbreiter von Informationen, als Motor der Innovation ebenfalls, aber ansonsten sind Software-Spezialisten eine rare, teils bewunderte, teils mißtrauisch beäugte „Spezie“. Und doch bilden diese Software-Spezialisten eine kleine aber offene Elite, die vor allem aus dem kleinen und mittelständischen Wirtschaftswesen heraus die Veränderungen anstoßen, die dann von den „Großen“ aufbereitet und vermarkt werden.

European Software Conference

Sie und die KMUs sind mir persönlich mein Herzensanliegen, ihre Förderung und Unterstützung und Heranbildung halte ich für eine wichtigsten Aufgaben einer modernen Wirtschaft überhaupt; hier wird noch produziert, werden reale Werte geschaffen und nicht im Fegefeuer der Spekulation verbrannt. Unsere European Software Conference, die in 2010 zum zehnten Mal – diesmal in Wien – stattfand und im nächsten Jahr 2011 im November nach London springt, ist hier Forum und Plattform zugleich. Vielleicht sieht man sich?

Weiterführende Links:
http://isv-industry.eu