Hilfe, mein Kind ist nur noch online?!

Das Aufwachsen im Zeitalter digitaler Medien hat zahlreiche Änderungen mit sich gebracht. Internet, Handy & Co bieten neue Möglichkeiten für die Freizeitgestaltung, die Kommunikation mit Freunden und Familie sowie das Lernen, konfrontieren Eltern aber auch mit zahlreichen Risiken und Sorgen. Der einfacher gewordene Zugang zu problematischen Inhalten, Belästigungen im Internet, Kostenfallen und (un)freiwillige Verletzungen der Privatsphäre sind nur einige Beispiele dafür.

Es herrscht daher ein breiter Konsens über die große Bedeutung von Medienkompetenz für die Nutzung der Chancen digitaler Medien sowie für die Vermeidung von Risiken und konkreter negativer Folgen.

Aus diesem Grund war dieses Thema der Europäischen Kommission auch schon eine eigene Empfehlung „zur Medienkompetenz in der digitalen Welt als Voraussetzung für eine wettbewerbsfähigere audiovisuelle und Inhalte-Industrie und für eine integrative Wissensgesellschaft" (20.8.2009) wert.

In Österreich ist das Thema Medienkompetenz im Schulbereich als Zielgröße im Unterrichtsprinzip „Medienerziehung" verankert (siehe dazu Grundsatzerlass Medienerziehung). Im Herbst 2010 wurde das Thema auch im Rahmen der Initiative „Web 2.0 – soziale IT-Netze sinnvoll nutzen" des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur sowie im Informationserlass „Digitale Kompetenz an Österreichs Schulen" im Kontext von technischen und rechtlichen Fragestellungen prominent aufgegriffen.

Bei Schlüsselbegriffen besteht jedoch immer die Gefahr, dass sie zu bedeutungsleeren Schlagwörtern verkommen. Daher sei an dieser Stelle nochmals auf das Konzept der Medienkompetenz näher eingegangen.

Die EU-Kommission definiert Medienkompetenz als „die Fähigkeit, die Medien zu nutzen, die verschiedenen Aspekte der Medien und Medieninhalte zu verstehen und kritisch zu bewerten sowie selbst in vielfältigen Kontexten zu kommunizieren".

Drei Dimensionen stehen im Mittelpunkt der meisten Medienkompetenz-Definitionen:

  • Technische Nutzungskompetenz
  • Fähigkeit zur kritischen Bewertung, Reflexion und Nutzung von Medien – den eigenen Bedürfnissen entsprechend
  • Gestaltungskompetenz

Medienkompetenz ist folglich auch ein Schlüssel dafür, dass Kinder Internet, Handy & Co sicher und verantwortungsvoll nutzen. Dies darf aber nicht dahingehend missverstanden werden, als dem Nachwuchs selbst der größte Teil der Verantwortung für mehr Sicherheit im Internet zu übertragen wäre. Vielmehr sind Eltern gefordert, die kritische Beschäftigung mit Medien als Teil ihrer Erziehungsaufgabe wahrzunehmen und es ist die Schule gefragt, Medienbildung als wichtigen Bestandteil ihres Bildungsauftrags zu sehen.

Ganz besonders ist aber auch die Anbieterseite aufgerufen, bei der Gestaltung ihrer Produkte viel stärker auf besondere Anforderungen von Kindern einzugehen und einen größeren Beitrag bei Information und Aufklärung zu leisten.

Ein Beispiel: Nachdem ein großer Teil des Soziallebens von Kindern mittlerweile in Sozialen Netzwerken stattfindet, ist der Schutz der Privatsphäre zu einer entscheidenden Herausforderung geworden. Gesetzliche Datenschutzbestimmungen hinken in der Praxis stets den technologischen Innovationen hinterher und viele Anwendungsfelder werden von wenigen großen Unternehmen bestimmt. Daher kommt gerade diesen Akteuren eine große Verantwortung zu, Kinder bei der sicheren Internetnutzung proaktiv zu unterstützen. Wünschenswert ist z.B. eine konsequente Umsetzung des „Privacy-by-default"-Prinzips. Das bedeutet, dass man etwa bei der Registrierung in einem Sozialen Netzwerk automatisch die sichersten möglichen Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre vorfindet. In der Praxis ist es zumeist umgekehrt. Man muss selbst als Anwender/in aktiv werden, um den Schutz zu erhöhen. 

Die Europäische Kommission motiviert Anbieter immer wieder zu Selbstregulierungsinitiativen in diesem Bereich, z.B. zuletzt in Form der "Safer Social Networking Principles for EU". Angesichts der komplexen Wertschöpfungsketten bedarf es hier aber Vereinbarungen, die ausreichend intelligent, weitreichend und überprüfbar sind. Jüngste Diskussionen im Rahmen der Digital Agenda Assembly verweisen zwar in diese Richtung, doch es ist stets auch die Frage nach der Effektivität derartiger Selbstregulierungsinitiativen zu stellen. Praxiserfahrungen des Internet Ombudsmann zeigen etwa, dass es immer noch Versäumnisse durch Facebook, YouTube & Co bei der Bearbeitung von User-Meldungen betreffend Fake-Profile, verunglimpfender Videos etc. gibt.

Daher ist auch die öffentliche Hand gefordert, nicht nur stärker auf das Thema Medienkompetenz zu fokussieren, sondern auch laufend die Tauglichkeit der regulatorischen Ansätze zu überprüfen und weiterzuentwickeln.