Freiwilligkeit 2.0?

Warum man eine reale Konferenz für virtuelle Freiwillige braucht.

Virtuelle Freiwillige?
Freiwilligkeit und neue Formen der Freiwilligkeit sind für uns wichtig genug, um im Dezember einen Kongress zu veranstalten, bei dem eben dieses Ehrenamt im Mittelpunkt stehen wird. Dort wird ein eigener Workshop dem Thema „Online Volunteering“ gewidmet sein, ein Thema mit dem ich mich bereits eine ganze Weile beschäftige. „Virtuelle Freiwillige“, das sind nicht jene Differenzen bei den Freiwilligenzahlen in den Jahresberichten, denen kein tatsächlicher Headcount gegenübersteht, sondern Menschen, die bereit sind, eine Organisation auch online mit den Tools der Social Media zu unterstützen. Dabei geht es nicht nur um die komplexe Entwicklung neuer Meshups, wie das Blutspende-Facebook-Plugin, das uns ein engagierter „virtual Volunteer“ erstellt hat, sondern auch oft um einfache Arbeiten, wie Textübersetzungen, Berichterstellung, …
Gerade in großen Organisationen, die über sehr viele Jahrzehnte funktionstüchtige starke Formalismen entwickelt haben, um bundesweit und föderal organisiert tätig zu sein, sind solche neuen Formen der Freiwilligkeit schwierig zu implementieren, denn wie will man Netzwerke als neue Form der Organisation mit klassischen Bürokratiemodellen zusammenführen? Die Schwierigkeiten liegen dabei allerdings oft eher in der Organisationskultur, als in den Aufgaben für „neue Freiwillige“, die es in schier unerschöpflichem Ausmaß gibt, und – das ist wahrscheinlich noch wichtiger – die in den „alten“ Organisationsformen nicht erledigt werden können.

Freiwillig2.0
Seit Jahresbeginn versuchen wir daher immer wieder, das Thema Freiwilligkeit im Social Web zu kommunizieren, Freiwilliges Engagement auch sichtbar und damit relevant zu machen. Das ist beispielsweise durch eine Koperation mit einer Tageszeitung passiert, die auch eine Facebook-Page und eine Facebook-App beinhaltet hat, oder durch die Erstellung einer eigenen Facebook-Meshup-Page, die aus Twitter Nachrichten mit den Themen „Ehrenamt“ oder „Freiwillig“ auf Facebook postet.

Aber den Grund nicht vergessen …
Natürlich darf man, trotz aller Social Media Euphorie nicht vergessen, dass das nur eine Begleitmusik für die praktische Humanität ist. Unterstützung und Hilfe für die Aufgabe, die Situation von  Menschen in Not und sozial Schwachen, durch die Kraft der Menschlichkeit zu verbessern. „Aus Liebe zum Menschen“ arbeiten in ganz Österreich 54.727 Freiwillige beim Österreichischen Roten Kreuz. Sie widmen ihre freie Zeit, ihre Wochenenden oder ihre Nächte jenen, die Hilfe brauchen. Unentgeltlich und einzig einer Idee verpflichtet: Zu helfen und das Leben von Menschen in Not und sozial Schwachen zu verbessern.

Freiwilligkeit ist eine wichtige Säule unserer Gesellschaft, sie ist »der „Kitt“, der diese Gesellschaft zusammenhält«, sagen manche. Fast die Hälfte der Österreicherinnen und Österreicher engagieren sich freiwillig. Sie tun das in unterschiedlichen Organisationen, Vereinen, Initiativen oder in der Nachbarschaftshilfe freiwillig und unentgeltlich – in ihrer Freizeit.
Das Jahr 2011 wurde zum „Europäischen Jahr des freiwilligen Engagements“ ausgerufen, um Europaweit auf diese Freiwillige als wertvoller Teil der Gesellschaft zu verweisen. In Österreich versucht das Sozialministerium als fachlich zuständige Bundesbehörde das Thema zu kommunizieren.

Warum sind so viele Menschen freiwillig tätig, was ist ihre Motivation?

„Der Freiwillige wird von seinem Verlangen zu helfen und seinem Mitgefühl getrieben“, Jean Pictet (Vgl.: Jean Pictet: Die Grundsätze des Roten Kreuzes, Kommentar. Genf/Bonn 1990)
Wir haben im Rahmen des Stimmungsbarometers im Sommer über 2.000 Rotkreuz-Mitarbeiterinnen in ganz Österreich nach ihrer Motivation gefragt. Fast 90% geben an (sehr wichtig und wichtig), sie möchten „etwas für Andere tun“ und „Neues lernen und nützliche Erfahrungen machen“. Rund die Hälfte empfindet „eine moralische Verpflichtung zu helfen“, bzw. „möchte sozial oder politisch etwas verändern“. Sie – werte Leserin, werter Leser – sind ebenfalls freiwillig tätig? Wir haben eine Facebook-Umfrage zum Thema Motivation für das Ehrenamt gestartet, machen Sie mit!

Viel weitere Informationzum Thema Freiwilligkeit findet man auch im rotkreuz•factbook:Freiwilligkeit, nicht zuletzt ist Freiwilligkeit auch einer der Rotkreuz-Grundsätze, wenn auch mit leicht anderer Bedeutung.

Aufgrund des Wertewandels in der Gesellschaft ist das Thema Freiwilligkeit in vielen Anspruchsgruppen nicht mehr verankert – eine Individualisierung geht oft mit einer Entsolidarisierung einher. Die Möglichkeit des eigenen freiwilligen Engagements wird oftmals gar nicht mehr in Betracht gezogen oder steht aus sozioökonomischen Gründen überhaupt nicht zur Auswahl. Das von der Europäischen Union ausgerufene Jahr des freiwilligen Engagements schien uns daher der geeignete Anker, das Thema Freiwilligkeit wieder nachhaltig positiv zu positionieren und mit der Marke Rotes Kreuz zu verknüpfen.