Frauenpower in IT-Führungspositionen – warum nicht mehr?

Frauen stellen in Österreich seit etwa zwei Jahrzehnten die Mehrzahl der Hochschul-Absolventen, sind aber in Führungspositionen – insbesondere in den „Männerdomänen“ IT, Telekommunikation und Technik – nach wie vor stark unterrepräsentiert. Ausnahmen bestätigen die Regel. Einige der größten und wichtigsten Konzerne in diesen Bereichen stehen erfolgreich unter weiblicher Führung: Tatjana Oppitz leitet seit 2011 IBM Österreich, Sabine Herlitschka ist seit 2014 Vorstandsvorsitzende und CTO der Infineon Technologies Austria AG, Dorothee Ritz sitzt seit Mitte 2015 an der Spitze von Microsoft Österreich, und Margarete Schramböck, derzeit noch CEO von Dimension Data Österreich, wird ab 1. Juni 2016 Chefin der A1 Telekom Austria AG, um nur ein paar prominente Beispiele zu nennen. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bei der ausgewogenen Besetzung in den Top-Etagen der heimischen IT-Unternehmen noch sehr viel Luft nach oben gibt.

Geschäftsführungen weiter männerdominiert

Der „Frauen Management Report“ der Arbeiterkammer Wien hat im Februar 2016 das aktuelle Geschlechterverhältnis in Geschäftsführung und Aufsichtsrat der 200 umsatzstärksten sowie der börsennotierten Unternehmen Österreichs untersucht. Das Ergebnis: Die Spitzengremien sind nach wie vor sehr männerdominiert. In den heimischen Top-Unternehmen sind nur 44 von 609 Vorstandsposten weiblich besetzt – das entspricht mageren 7,2 Prozent. Der Wert ist im Vergleich zum Vorjahr (2015: 5,9 Prozent) nur leicht angestiegen. Etwas besser sieht es traditionell bei den Aufsichtsräten aus: 307 von insgesamt 1.737 Aufsichtsratsmandaten der 200 umsatzstärksten Unternehmen werden von Frauen ausgeübt. Der Frauenanteil beträgt 17,7 Prozent, hat sich gegenüber dem Vorjahr aber um nur 1,5 Prozentpunkte erhöht. Eine ähnliche Entwicklung ist in den börsennotierten Unternehmen zu beobachten. Dort hat sich der Frauenanteil in den Aufsichtsräten im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozentpunkte verbessert und liegt nun bei 17,4 Prozent.

Mehr Mut zu Frauen als Führungskräfte

Wie sind diese Statistiken zu interpretieren? Die Zahlen bedeuten nicht, dass Männer bessere Leader sind und daher häufiger in Top-Positionen zu finden sind. Denn geeignete Führungspersönlichkeiten finden sich prozentuell gesehen zu gleichen Teilen unter Männern und Frauen. Diese Zahlen zeigen vielmehr die falsche Einstellungs- und Beförderungspolitik vieler Unternehmen auf. Es wäre mehr Mut gefragt, die weibliche Repräsentanz in den Chef-Etagen der IT- und Telekom-Unternehmen zu erhöhen und an die demographische Realität anzupassen.

Eine Rolle spielt natürlich auch, dass sich Frauen erfahrungsgemäß weniger zutrauen, „Höhenluft“ in diesen männerlastigen Branchen zu schnuppern. Hinzu kommt, dass früher oder später die Entscheidung zwischen den zwei großen „Ks“ – Kind oder Karriere – gefällt werden muss. Hier sollten in den Unternehmen noch die Rahmenbedingungen deutlich verbessert werden, damit aus dem „oder“ ein „und“ wird und sich beide Bereiche – der Nachwuchs und die hohen Anforderungen des Berufslebens – unter einen Hut bringen lassen.

Because it’s 2016!

Der liberale kanadische Ministerpräsident Justin Trudeau hat im November letzten Jahres sein neues Kabinett aus 15 Frauen und 15 Männern gebildet – und dafür viel Applaus geerntet. Ein ausgewogeneres Geschlechterverhältnis in Geschäftsführung und/oder Aufsichtsrat würde auch den österreichischen IT- und Telekom-Unternehmen gut tun. Warum? Frei nach Trudeau: Because it’s 2016!