Digitalisierung in Österreich braucht mehr Akzeptanz

Es ist entscheidend, dass wir der digitalen Revolution positiv gegenüber stehen. Neue Medien sind Werkzeuge, um unser Leben zu vereinfachen. Die Devise lautet: Verstehen, umsetzen und nutzen. Die digitale Welt ist längst Teil unseres Alltags, dass belegen auch die Zahlen der österreichischen Mediennutzung laut der aktuellen Österreichischen Verbraucheranalyse des Linzer Meinungsforschungsinstituts IMAS: Dreimal so viele Österreicher als im Jahr 2000 halten sich täglich im Web auf. Fast die Hälfte (genau genommen 49 Prozent)  gab 2016 an, das Internet nahezu täglich zu nutzen – 70 Prozent der Bevölkerung sind mehrmals monatlich im Netz. Auch die Österreichische Regierung möchte sich der Digitalisierung weiter öffnen und den Behördenverkehr zur Gänze auch online anbieten. Vorbereitungen dazu laufen bereits, ein konkretes Gesetz wird im Dezember beschlossen. Mit diesen Schritten will man in Sachen e-Government wieder aufholen, doch Länder wie Dänemark oder Estland sind hier schon weit voraus.

In Dänemark etwa kommuniziert seit 2014 jede Bürgerin und jeder Bürger (ab 15 Jahren) verpflichtend mit dem Staat auf dem digitalen Weg. Dabei werden digitale und postalisch übermittelte Nachrichten als gleichwertig relevant empfunden. Um niemanden zu benachteiligen, gibt es Ausnahmen bei der Nutzung, z.B. wenn eine physische Einschränkung, Sprachschwierigkeiten oder eine fehlende bzw. unzureichende Internetanbindung den Zugang unmöglich machen. Der Mut zur Digitalisierung erleichtert nicht nur vielen den Behördenweg, es zahlt sich für den Staat auch aus: Rund 135 Mio. EUR spart Dänemark jährlich in Papier und Zustellgebühren.

In Estland, dem Vorreiter in Sachen e-Government, wird sogar das ganze Land elektronisch verwaltet. Die Staatsbürger melden sich mit einem elektronischen Ausweis in Kreditkartenformat an und können digital Arzttermine vereinbaren, ihre Steuererklärung ansehen, eine Firma registrieren, die Schulnoten der Kinder einsehen und vieles mehr. Basis dafür ist ein Programm, mit dem der sichere Datenaustausch verschlüsselt und durch die elektronische Unterschrift autorisiert wird. Wer eine Blutprobe im Labor abgibt, kann sicher gehen, dass auch der behandelnde Arzt die Daten sofort bekommt –  Zugang haben aber nur autorisierte Personen. Allerdings herrscht maximale Transparenz über die Datennutzung, denn: Jeder kann sehen, wer sich Zugang zu den Daten verschafft hat.

Mit Service-Funktionen wie der E-Zustellung und anderen elektronischen Tools ist Österreich noch immer im europäischen Spitzenfeld, was digitale Bürokratie betrifft. Es mangelt aber an zwei wesentlichen Punkten, die ein Vorrankommen hindern. Zum einen ist die Akzeptanz in der Bevölkerung gegenüber digitaler Kommunikation mit dem Staat noch sehr niedrig, vor allem wenn es darum geht, dass es verpflichtend ist. Vom Weg Dänemarks wäre also abzuraten. Vielmehr müsste der Service und die Sicherheit von e-Government verstärkt nach außen kommuniziert werden, damit die Bürger von sich aus diese Tools verwenden. Zum anderen müsste man diesen Weg der digitalen Kommunikation noch weiter erleichtern. Die E-Zustellung z.B. bietet nur einen kostenpflichtigen Nachrichtenversand an. Die Sicherheit der Informationen ist aber vielen leider nicht so wichtig, dass sie dafür Geld ausgeben würden, auch wenn es nur ein paar Cent sind. Ein optimales digitales Postfach, mit welchem sicher mit dem Staat, aber auch anderen kommuniziert werden kann, müsste für den User kostenlos sein. Dann steigt auch automatisch die Akzeptanz, und umso mehr Menschen den Weg der digitalen Kommunikation wählen, umso höher der Nutzen daraus für alle. Daher nochmal die Devise, die sowohl für Bürger als auch den Staat gilt: Verstehen, umsetzen und auch nutzen.