„Das Schweigen der Festplatten“ – Die großen Irrtümer in der Datensicherung

„Jeder Datenträger stirbt. Die Frage ist nur wann“ – mit dieser unumstößlichen Tatsache ist jedes Unternehmen konfrontiert. Im Internet kursieren zu den großen Themen Datensicherung und Datenwiederherstellung allerdings teilweise gefährliche Falschinformationen, die sich in semi-professionellen Kreisen halten und immer wieder Einzug in die betriebliche Praxis nehmen – vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen. Als Datenretter steht Attingo dann am Ende dieser Kette, um „zu retten, was noch zu retten ist“.

Datenträger versagen ihren Dienst meist ohne jede Vorwarnung. Die Konsequenzen eines solchen Ausfalles können mitunter Existenz-bedrohlich sein. Die Wiederherstellung von Daten wird leider oft erschwert, indem eigenständige Wiederbelebungsversuche die technische Situation noch verschlechtern. Im schlimmsten Fall sind Daten, die von professioneller Hand zu retten gewesen wären, nach einer Behandlung „mit der Hausapotheke“ endgültig verloren. Die gute Nachricht: Generell können im Reinraumlabor tatsächlich rund 90 Prozent aller Daten wieder hergestellt werden.

Gängige Irrtümer im Bereich Datensicherung und Datenrettung sollten von vornherein vermieden werden – wenn man sie kennt:

Irrtum 1: Neue Festplatten werden nicht defekt

Die Betriebsstunden oder das Alter einer Festplatte beeinflussen die Lebensdauer nur gering. Ausschlaggebend sind der Transportweg vom Hersteller bis zum Server, PC oder Laptop sowie die Bedingungen im Betrieb. Erschütterungen und Überhitzung reduzieren die Lebenserwartung massiv. Wir bekommen gleichermaßen neue und alte Festplatten in unsere Labors.

Irrtum 2: Statt Löschen, Festplatten überschreiben

Nach dem Motto „viel hilft viel“ hält sich ein Gerücht hartnäckig: Will man eine Festplatte löschen, hilft ein mehrfaches Überschreiben. Es basiert auf einer Theorie zum Restmagnetismus, die bei modernen Festplatten irrelevant ist. Vielmehr stellt sich die Frage, ob tatsächlich alle Sektoren überschrieben wurden.

Irrtum 3: In der Festplatte ist ein Vakuum

Eine weit verbreitete Annahme ist, Festplatten hätten in ihrem Innenleben ein Vakuum. Die Wahrheit ist: In der Festplatte befindet sich Luft. Im Inneren der Festplatte schwebt der Schreib-/Lesekopf auf einem dünnen Luftpolster wenige tausendstel Millimeter über der Plattenoberfläche. Korrekt ist, dass man Festplatten nicht selbst aufschrauben sollte. Kleinste Staubpartikel führen zu einem Headcrash.

Irrtum 4: Festplatte ins Tiefkühlfach legen

In vielen Internet-Foren wird eine Art „Schocktherapie“ empfohlen. Damit streikende Festplatten wieder funktionieren seien diese ins Tiefkühlfach zu legen. Diese Vorgangsweise kann allerdings zusätzliche Defekte am Material verursachen, wodurch die Situation noch verschlechtert wird.

Irrtum 5: SSD-Festplatten sind ausfallsicher

Richtig ist: SSD-Festplatten sind ausfallsicherer gegen mechanische Schäden, weil keine mechanischen Teile verbaut sind. Falsch ist hingegen, dass diese Datenträger ausfallsicher sind. Im Fall der Fälle kann eine Datenrettung durch Entnahme der einzelnen Speicherbausteine im Reinraumlabor erfolgen.

Irrtum 6: Hersteller haften für Daten-Rekonstruktion

Dass ein Festplattenhersteller für die Rekonstruktion der Daten im Fall eines Datenverlustes haftet ist nicht zutreffend. Im Garantiefall findet zwar ein Austausch der defekten Festplatte statt, die Kosten für die Rekonstruktion der Daten sind aber vom Kunden zu tragen.

Irrtum 7: RAID verhindert Datenverlust

Manche Werbebotschaften suggerieren: RAID verhindert Datenverlust. Zutreffend ist: Es kann ausschließlich der Defekt eines Datenträgers bei RAID 5 oder von zwei Datenträgern bei RAID 6 ausgeglichen werden. Es können aber keine logischen Probleme wie gelöschte Dateien durch einen RAID-Verbund abgefangen werden. Da hilft nur mehr professionelle Datenrettung. RAID birgt zudem das Risiko, aufgrund einer vermeintlichen Ausfallsicherheit die Datensicherung zu vernachlässigen – mit fatalen Folgen: Allein in den letzten sechs Monaten hat sich bei Attingo die Anzahl der RAID 6 Datenrettungsfälle verfünffacht.

Irrtum 8: Elektronik selbst tauschen

In der Praxis kommt es vor, dass die Festplatte mitsamt den darauf befindlichen Daten noch intakt ist, die Elektronik aber defekt wird. Oft versuchen ambitionierte Laien die Elektronik gegen eine vermeintlich baugleiche zu tauschen. Das kann ein grober Fehler sein. Denn sowohl Firmware-Informationen als auch adaptive Parameter werden teilweise auf den Magnetscheiben der Elektronik gespeichert. Ohne diese Parameter kann die Festplatte nicht initialisiert werden. Zudem ist eine Datenrettung dann nur noch mit erheblichem Mehraufwand möglich.