Ausblick: Fortschreitende Vernetzung im Gesundheitswesen

E-Health-Angebote boomen. Alleine die mobilen Features, zum Beispiel in Form von Fitness-Apps und Wearables, haben 2017 weltweit ein Umsatzvolumen von 26 Mrd. Dollar erreicht (Mobile Health Market Report). International werden derzeit knapp 100.000 Gesundheits- und Fitness-Apps allein in Google Play angeboten. Aber nicht nur der Consumer-Bereich, sondern auch Lösungen für das öffentliche und private Gesundheitswesen erleben einen Aufschwung. Obwohl schon vieles mittels elektronischen Datenaustauschs möglich ist, muss besonders dem Problem proprietärer Systeme erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Daher ist Interoperabilität die Grundlage, um die Vorteile der Vernetzung im Gesundheitswesen nutzen zu können.

Der Vorsprung der Vorreiter ist schwer einzuholen

E-Health-Angebote und den standardisierten Datenaustausch im Gesundheitswesen betreffend, lässt der Status quo noch zu wünschen übrig: Zwar sind einige Länder schon sehr weit fortgeschritten, andere aber noch weit abgeschlagen. Mit E-Rezept, digitaler Patientenakte und vernetzten Krankenwagen gilt Estland als einer der Vorreiter der Digitalisierung im Healthcare-Bereich. Jedoch müssen auch hier bestehende proprietäre Systeme zu interoperablen weiterentwickelt werden.

In Österreich stellte die Einführung der elektronischen Gesundheitsakte ELGA bereits einen großen Fortschritt dar. Auch in Deutschland setzt nun die AOK mit ihren Pilotprojekten entscheidende Schritte für ein Gesundheitsnetz mit standardisiertem Datenaustausch. Generell wird die Vernetzung der Gesundheitsorganisationen in den einzelnen Ländern immer weiter ausgebaut. Auch die internationale Zusammenarbeit ist im Kommen: Noch vor 2020 könnte der länderübergreifende Datenaustausch starten.

Sicherheits- und Datenschutz-Herausforderungen meistern

Um die neuen Möglichkeiten der digitalen Vernetzung ausschöpfen zu können, müssen Sicherheit und Datenschutz garantiert werden. Vorbehalte und Risiken stellen insbesondere vor dem Hintergrund des Gesundheitssystems als kritischer Infrastruktur eine ernstzunehmende Herausforderung dar. International wird ein Cybercrime-Anstieg verzeichnet. Laut Cybersecurity Report 2017 werden sich die Schadenskosten 2021 auf 6 Billionen US-Dollar jährlich belaufen (2015: 3 Billionen US-Dollar).

Mit hochsicheren Standards für den Datenaustausch geht die internationale Organisation IHE (Integrating the Healthcare Enterprise) einen zukunftsfähigen Weg. Die Erfahrung der IHE, die fast zwei Dekaden lang den standardisierten Datenaustausch weiterentwickelt und etabliert hat, bietet eine solide Basis, um Security und Datenschutz weiter zu stärken.

Chancen: BürgerInnen gewinnen Kontrolle

Die Digitalisierung bringt viele Vorteile für BürgerInnen. So werden die Daten von Healthcare-Einrichtungen selbst bei Behandlungen im Ausland (Urlaub) schnell und einfach verfügbar sein. Damit ersparen sich BürgerInnen Zeit und Aufwand sowie Kosten für erneute Tests und Diagnoseverfahren wie Röntgenaufnahmen. Durch eine Plattform werden Kontrolle und Transparenz der dezentral gespeicherten und somit hochsicheren Daten ermöglicht. Bezüglich eigener Gesundheit sollen sich BürgerInnen aktiver einbringen können. Wenn proprietäre Systeme (z.B. die bereits erwähnten Apps) durch interoperable ersetzt werden, könnten die darin gesammelten Gesundheitsdaten breiter genutzt werden, etwa zur Teilnahme an klinischen Studien. Wie überall spielt auch in diesem Fall die Interoperabilität eine tragende Rolle für die funktionierende Vernetzung.