Arbeit 2.0: Produktivität bei hoher Mitarbeiterzufriedenheit als Ziel

Moderne Berufswelt im Spagat  – neue Konzepte und Kultur sind gefragt

Produktivitätsstagnationen und alarmierend zunehmender Burnout der Mitarbeiter beunruhigen das Management. Was läuft schief in Unternehmen, wieso leidet mittlerweile bereits etwa jeder Fünfte an Burnout-Symptomen und gleichzeitig werden der österreichischen Wirtschaft im Bürobereich gar Rückgänge in der Produktivität der Mitarbeiter attestiert?

Die Informationstechnologie entfaltet immer sichtbarer auch ihre Schattenseiten, sie löst nicht nur viele Probleme, sie schafft ebenso neue. Die Gestaltung des Systems „Arbeit" war zu lange durch den Fokus auf Technik und Prozesse dominiert. Der Mensch mit seinen Erwartungen, Potenzialen und Motivationen geriet – trotz anderslautender Lippenbekenntnisse – ins Hintertreffen. Für den Menschen spiegelt sich die betriebliche Realität vor allem in Leistungsverdichtung, nicht angepassten Strukturen und erhöhtem Termindruck.

Permanente Unterbrechungen erweisen sich dabei als der große Produktivitätskiller: im Durchschnitt werden wir alle 11 Minuten durch eingehende E-Mails, Telefonate oder Kollegen unterbrochen. Die Folge: wir brauchen etwa 8 Minuten, um uns wieder in die Tätigkeit einzudenken. Die nächste Störung wartet dann aber bereits.

IT und Vernetzung scheinen die Arbeitswelt nicht nur verbessert zu haben, sondern gleichzeitig auch zu neuen massiven gesundheitlichen Störungen zu führen:

  1. Entgrenzung der Arbeit: Deutliche Trennung zwischen Beruf und Privatleben findet nicht mehr statt. Regenerationsphasen werden durchlöchert oder fehlen weitgehend.
  2. IT gibt mehr und mehr den Rhythmus für Tätigkeiten vor, wir können beinahe vom neuen Fließband für Wissensarbeiter sprechen. Die Freiheitsgrade am Arbeitsplatz nehmen ab.
  3. Zunehmende Kontrolle durch IT-Systeme. Das Beispiel Call-Center verdeutlicht es: Verhalten und Arbeitsleistung jedes Mitarbeiters können genauestens analysiert werden. Permanente Kontrolle wirkt auf die Mitarbeiter demotivierend.
  4. Die Erfolgserlebnisse über erledigte Arbeit nehmen ab. Kaum ist ein Projekt beendet, hat ein anderes schon längst wieder begonnen. Die aus erfolgreich beendeter Arbeit abgeleitete Motivation nimmt ab.
  5. Die Leistungsverdichtung, die Parallelität von Aufgaben, der Termindruck und die Schnelligkeit des Wandels im Arbeitsumfeld nehmen zu, der Mitarbeiter fühlt sich zunehmend überfordert.

Was kann nun der Einzelne, was kann die Organisation tun, um diesem Hamsterrad zu entkommen? Tipp1: „Never check your e-mails in the morning" erfordert Selbstdisziplin, schafft aber nicht zu unterschätzende Produktivitätsgewinne und erhöht die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Der Mitarbeiter setzt eigene Prioritäten und reagiert nicht nur.

Tipp 2: E-Mails nur dreimal pro Tag sichten – auch so werden laufende Unterbrechungen vermieden.

Tipp 3: "Quiet Time" – warum nicht versuchsweise einen halben Tag pro Woche auf innerbetriebliche E-Mails verzichten? Der Hirnforscher Ernst Pöppel dazu: "Wenn jeder Mensch eine Stunde am Tag ohne Unterbrechung durcharbeiten würde, bekämen wir den größten Innovationsschub aller Zeiten."

Dass es geht, beweisen zahlreiche Unternehmen. Microsoft Niederlande stellt es den Mitarbeitern frei, von zu Hause oder vom Büro aus zu arbeiten. Unilever erwartet mindestens einen Tag pro Woche Homeoffice. ATOS Origin will innerhalb von drei Jahren auf interne E-Mails ganz verzichten und die Kommunikation über Social Business Solutions abwickeln. Schließlich geben Atlassian und Google ihren Mitarbeitern einen Tag pro Woche, um eigendefinierten Projekten nachzugehen. Die Folge: innerhalb dieser 20 % der Arbeitszeit entstehen 50 % der Innovationen für die Unternehmen. Überzeugender geht es kaum. Autonomie und hohe Freiheitsgrade sind der Schlüssel, um die Effizienzsteigerung mit hoher Mitarbeiterzufriedenheit zu verbinden.

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