A-Tag 2012 – Mobile Accessibility

Viele Webseiten sind bereits so programmiert, dass sie allen Menschen zugänglich sind, egal ob diese taubstumm sind, keine Tastatur oder Maus bedienen können, Sehschwächen haben oder gar blind sind. Gerade in Zeiten ständig steigender Verwendung von Smartphones und für mobile Geräte optimierte Webangebote ist es wichtig, die Barrierefreiheit auch für diese sicher zu stellen.

Zu diesem Thema hat am 25.10.2012 der A-Tag stattgefunden. In sehr spannenden Präsentationen, die allesamt auch auf österreichische Gebärdensprache übersetzt wurden, erklärten die Vortragenden bestehende Probleme und zeigten Techniken, wie auch mobile Webseiten barrierefrei gestaltet werden können.

Die Vorträge deckten ein weites Spektrum von Themen ab – von Kartenapplikationen und Navigationssysteme für Blinde bis zu Programmiertechniken war alles dabei.

Vor allem Menschen, die keinerlei Probleme beim Benutzen des Internets haben denken oft nicht an Barrierefreiheit. Dabei kann ein Programmierer mit einfachen Änderungen viel für die Zugänglichkeit einer Webseite tun. Eine relativ neue Technik ist der Einsatz von ARIA Elementen und HTML5. Die Seite wird dabei in verschiedene Bereiche unterteilt, wodurch z.B. eine Navigationsleiste, das Suchfeld oder Bereiche für Banner gekennzeichnet werden können. Screenreader (Programme, die Webseiten vorlesen) können die Seite so besser interpretieren und ein blinder User findet sich schneller zurecht und kann von einem Element zum nächsten springen.

Diese ARIA-Auszeichnungen kann ein User erst entdecken, wenn er den Quelltext der Seite ansieht – sie haben also keinerlei Auswirkung auf die Darstellung und das Design. Aber auch auf Frontend-Seite sind Verbesserungen möglich:
Stephanie Rieger hat in ihrer Keynote die unterschiedlichen Anforderungen an mobile Webseiten aufgezeigt. User suchen dezidiert nach bestimmten Informationen, befinden sich oft nicht daheim oder außer Reichweite eines Computers, sind umgeben von anderen Personen, z.B. in einem öffentlichen Verkehrsmittel und haben möglicherweise wenig Zeit und nur eine eingeschränkte Bandbreite zur Verfügung.

Diese Einschränkungen geben bereits eine andere Strukturierung der Webseiten vor. Die Seiten müssen außerdem auf vielen verschiedenen Endgeräten funktionieren, wodurch sie am besten so einfach wie möglich gestaltet sind, um allen Usern alle Funktionen zugänglich zu machen. Der Content sollte im Vordergrund stehen, nicht irgendwelche Spezialfunktionen eines Smartphones oder schöne Werbesujets, die vielleicht auf einer regulären Webseite Platz finden. Von Verbesserungen in diesem Bereich profitieren alle User.

Für Firmen hört sich Accessibility oft teuer und nach viel Arbeit an – muss es aber nicht sein! Einige Anbieter helfen dabei:  Warum zum Beispiel Videos auf dem eigenen Server in diversen Formaten hosten, wenn das Video einfach auf Youtube.com hochgeladen werden kann? Von dort kann der User es in verschiedenen Qualitäten anfordern und auf allen Endgeräten ansehen.
Blogs können auf blogger.com veröffentlicht werden und schon muss sich der Entwickler weder um die mobile Darstellung, noch um Suchmaschinenoptimierung kümmern. Der Quellcode dieser großen Webseiten ist so optimiert, dass Screenreader damit problemlos umgehen können.

Auch Browserhersteller machen sich zum Thema Accessibility Gedanken. Marco Zehe, der selbst blind ist, hat am A-Tag in einer beeindruckenden Präsentation demonstriert, wie er auf seinem Smartphone im neuen Mozilla Firefox surft und kurz erklärt, welche Features das neue Firefox OS haben wird.

Abschließend bleibt mir nur noch eines zu sagen: Accessibility ist kein Feature oder etwas, das man nach Fertigstellung einer Webseite bedenkt, wenn man noch Zeit hat. Es ist vielmehr ein Grundbestandteil einer Webseite, der allen Usern hilft, denn jeder der Informationen aus dem Internet beziehen möchte, soll dies auch tun können.
Hier noch ein sehr inspirierendes Video, das Mike Phillips zeigt – einen Amerikaner, der aufgrund seiner Behinderung keine Tastatur benutzen kann sondern alles mit einem einzigen Button steuert:
http://www.assistiveware.com/one-thumb-rule-them-all